Zwei Solisten tun sich zusammen, um gewitztes Songwriting mit tanzbaren Beats zu paaren: Heraus kommt Bratze. Woran viele schon gescheitert sind, das machen sie richtig. "Kraft" ist die beste "Waffe" gegen den Einheitssound.
Wer mit elektronischer Musik aus Deutschland plumpe Dorfdisco-Acts wie SCOOTER assoziiert, der sei mit diesen Alben eines Besseren belehrt. Obwohl - laut Aussage von BRATZE machen sie ja auch Techno - nur eben für Leute, die keinen Techno mögen.
BRATZE sind Kevin Hamann aka CLICKCLICKDECKER und Norman Kolodziej von DER TANTE RENATE, die sich zusammengefunden haben, eine tanzbare Melange aus trampelnden Rave-Hooklines und genialen Texten aufzubrühen. Dabei erinnern sie nicht selten an die Zusammenarbeit von TOCOTRONIC und KONSOLE mit deren Remix von „Freiburg", das so manchen indieverliebten, kopfnickenden In-der-Ecke-Steher auf den „Dancefloor" gezogen hat.
Die mit der Kraft
Das Album „Kraft" strotzt nur vor solcher und hat eine zwei-jährige Geschichte hinter sich: Hamann und Kolodziej haben sich während des gemeinsamen Tourens die eine oder andere Lokalität geteilt und in mehr oder weniger ruhigen Minuten nebenbei den Track „Jean Claude" aufgenommen - welcher via MySpace viele Hörer fand. Die Nachfrage nach dem Song war gigantisch und das Drängen nach einem ganzen Album war noch um Einiges größer.
Daraufhin entstanden Songs wie „Lundgren" und „Dudikoff", die nicht nur ihrem Titel nach eine Anspielung auf die 80er sind. Sie kicken sich durch den Gehörgang und liefern den perfekten Anschluss, wo THE FAINT mit „Aganda Suicide" und „Take me to the Hospital" aufgehört haben.
Nachladen
Nur wollten sie sich nicht lange auf ihren Lorbeeren, die sie mit dem Longplayer „Kraft" geerntet hatten, ausruhen und schoben im Mai diesen Jahres die EP „Waffe" hinterher. Sie beinhaltet Songs, die live schon des öfteren zu hören waren und die Konzertbesucher zum rhythmischen Mitzucken animiert haben.
Das Interessante und Ausgefallene an der Ep - von der hohen Qualität der darauf vertretenen Tracks einmal abgesehen - ist die Veröffentlichungsart: Sie kommt nicht als reguläre Maxi-CD, sondern einmal als weißes 7 Inch Vinyl, eine auf 100 Stück limitierte MC und als digitale Variante auf Downloadportalen.
Lebendig
Wer sich die Frage stellt, ob 80er Jahre Adidas-Hosen immer noch oder schon wieder tragbar sind, sollte sich das dynamische Duo auf einem ihrer Konzerte in diesem Sommer live ansehen. Genaue Termine sind nachzulesen auf der Labelhomepage www.audiolith.net.
Auch ein Blick ins Publikum birgt Außergewöhnliches: Hier pogt der Punk mit dem Ravemädchen, der Indienerd mit dem Metalhead.
Das Elektro-Label Audiolith hat einmal mehr sein sicheres Händchen bewiesen, indem es den genialen wie auch kompromisslosen Output der beiden Ausnahmekünstler unters Volk bringt. Ganz im Sinne der Band: „Ab hier jetzt keine Kompromisse mehr!"
BRATZE: Kraft; Audiolith Records
Tracklist:
Dudikoff
Im Auge das Lachs
Hightowers Herz
Aus Frust
Der Atem des Phoenix
Jean Claude
Aggressor
Kaschinski
Attok Zoback
Lundgren
Jean Claude (Juri Gagarin Remix)
BRATZE: Waffe; Audiolith Records
Tracklist:
1. D.U.T.T. Royal
2. Beule
3. Filzlaus
4. Der Atem des Phoenix (Rampue Remix)