Drogen, Alkohol, Knast – 2007 war das Skandaljahr der britischen Soulsängerin Amy Winehouse. Es hagelte allerdings nicht nur Kritik, sondern auch jede Menge Auszeichnungen und Nominierungen. Amy Winehouse, auf dem Weg zur Poplegende - oder ein abglühender Komet am Starhimmel?
Starke schwarze Lidstriche, ein hochtoupierter Dutt, der einem Storchennest gleicht, beängstigend dünn, zahlreiche Tätowierungen und ein aggressiver Blick. Die Rede ist von Amy Winehouse. „Ihr Nachname klingt wie der Zustand ihrer Leber", scherzte Komiker Russell Brand noch Anfang 2007. Was noch wie ein salopper Kalauer klang, entpuppte sich als bittere Wahrheit im Leben des Londoner Stimmenwunders.
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Skandale und Eskapaden überschatten die glänzende Karriere der Amy Winehouse. Ihre Drogen- und Alkoholexzesse, Bulimie und Anorexie, Auftritte im alkoholisierten Zustand, wilde Prügeleien mit Ehemann Blake Fielder-Civil und Suizidversprechen grenzen nicht nur an Selbstzerstörung, sondern bringen auch ihre Familie und Fans zum verzweifeln. Selbst an der Sängerin zeigen sich deutliche Spuren ihres unsteten, wilden Lebens: Sie leidet an manischen Depressionen und völliger Erschöpfung, zum Jahresende sagte sie alle ihre Konzerte und Auftritte ab.
Früh übt sich
Das Image der aggressiven rüpelhaften Diva ist jedoch kein Teil einer gut durchdachten PR-Strategie ihrer Manager. Schon früh fiel die Britin durch ihr rebellisches Verhalten negativ auf. Ihre Eigensinnigkeit, Dreistigkeit und ihr äußeres Erscheinungsbild - ein Nasenpiercing ziert ihr Gesicht - deklarierten Amy Winehouse auf der Young´s Stage School, eine Schule für britische Nachwuchskünstler, als Draufgängerin.
Mit sechzehn Jahren folgte der Wechsel auf die reine Mädchenschule, wo sie sich eifrig dem Klavier- und Gitarrenspiel widmete. Die junge Musikerin spielte in Jazz-Orchestern und trainierte ihre immer ausdruckstärker werdende Stimme. In dieser Zeit tauchte sie in die Welt des Hip Hop und `R`n`B ein, was ihren heutigen musikalischen Stil nachhaltig beeinflusste. Im Alter von 18 Jahren unterschrieb sie schließlich ihren ersten Plattenvertrag bei „Island Records".
Musik als Balsam für die Seele
Das war die Geburtsstunde der Künstlerin Amy Winehouse, wie wir sie heute kennen. Fand ihr jazziges Debütalbum „Frank", 2003 erschienen, noch wenig Beachtung, gelang ihr drei Jahre später mit „Back in Black" der verdiente große Durchbruch. Zehn ehrliche, authentische Songs, die sich irgendwo zwischen 60er Pop, Funk, Soul, Jazz, Blues und R´n´B bewegen. Wer „Back to Black" hört, glaubt in einer düsteren, verrauchten Kneipe inmitten von New Orleans zu sitzen und Soulklängen zu lauschen.
Was die unterschiedlichen Songs zusammenhält, ist Amys dreckige, ausdrucksstarke Stimme. Kontrovers sind ihre Liedtexte. Mal attackiert sie alle Kritiker, die sie gerne in der Entzugsanstalt sähen (wie in der grandiosen Hitsingle „Rehab") - dann kommt aber wieder die gefühlvolle, verletzliche Amy zum Vorschein, etwa wenn sie ihrem Mann Blake in einem Song offen ihre Liebe gesteht. Doch die Realität holt das Soulwunder stets ein: Sie begibt sich nach der Veröffentlichung von „Back to Black" auf direktem Weg in die Entzugsklinik, und der geliebte Ehegatte ins Gefängnis.
Musik ist Balsam für ihre Seele. „Mir ging es immer um Gefühle. Ich weiß, wie sehr mir ein Song helfen kann, wenn es mir gerade schlecht geht. Ich muss einfach nur einen Song schreiben und vortragen, und schon verschwinden diese unschönen Gefühle wieder", gesteht Winehouse auf ihrer Homepage.
Preisregen trotz Skandale
Ein deutlicher Wandel zeichnet sich zwischen ihren Alben ab. „Back to Black" wirkt reifer, individueller und noch eigensinniger als der Vorgänger. Die 24-Jährige hat ihren eigenen Stil gefunden, und der begeistert die Kritiker offenbar. Neben zwei Brit Awards heimste Amy Winehouse unter anderem auch einen MTV Europe Music Awards in der Kategorie „Artist Choice" ein. Aber auch Fans lieben ihre Stimme: 1,8 Millionen Mal verkaufte sich „Back to Black" allein in Großbritannien und ist dort somit das erfolgreichste Album des Jahres 2007.
Den Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere könnte Amy Winehouse bei der Grammyverleihung im Februar 2008 feiern. Schließlich wurde sie insgesamt sechsmal für den höchsten Musikpreis nominiert. Unklar bleibt allerdings, ob die Skandalsängerin bei der Preisverleihung auch auftreten wird. Nach ihrer Verhaftung in Norwegen wegen unerlaubten Drogenbesitzes könnte ihr ein Visum verweigert, und damit die Einreise in die USA erschwert werden.
Ob Amy Winehouse im kommenden Jahr weiterhin auf Jim Morrisons oder Elvis Presleys Pfaden wandelt? Wir wünschen es ihr nicht. Auf alle Fälle gilt sie schon jetzt als Queen des Souls.