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25.05.2007Heidi Klum kürt Barbara Meier zu Germany's Next Topmodel

Drei minus zwei gleich Barbara Nach ‚DSDS’ hat nun die zweite Castingshow ihren Sieger gefunden: Heidi Klum und ihre Jury wählten die rothaarige Barbara Meier zum Star des Quotenmagneten. Zeit, zum Verramschen der Privatsphäre Kritik...

Drei minus zwei gleich Barbara

Nach ‚DSDS’ hat nun die zweite Castingshow ihren Sieger gefunden: Heidi Klum und ihre Jury wählten die rothaarige Barbara Meier zum Star des Quotenmagneten. Zeit, zum Verramschen der Privatsphäre Kritik anzumelden.

VON CHRISTIAN GLÖCKNER

Wieder verabschiedet sich eine beliebte Castingshow in die Sommerpause und wirft zahlreiche Fans der werberelevanten Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren auf das zurück, das doch so viel langweiliger scheint, als die bunte Glamourwelt der angehenden Topmodels – auf sich selbst. Ganze Terminkalender müssen neu gestaltet werden, denn der Pflichttermin am Donnerstagabend vor dem Fernseher entfällt.

Deutschland sucht das Supermodel

Die Euphorie um den TV-begleiteten Aufstieg eines ganz normalen Fräuleins zum angeblichen Topmodel glich nicht ganz der Ekstase, die die Fußball-WM vor knapp einem Jahr auslöste. Dennoch spielt die Show mit der Symbolik Fußballdeutschlands und lässt drei Frauen mit den Haarfarben schwarz, rot, blond ins Finale einziehen. Für alle, denen die patriotische Farbpracht noch nicht aufgefallen ist, liefert der Juror Peyman Amin das Stichwort und kokettiert: „Endlich hat Deutschland sein schwarz-rot-goldenes Finale“.

In einer schier endlos erscheinenden Finalfolge von „Germany’s Next Topmodel“ posierten die drei Finalistinnen Anni, Barbara und Hana vor dem elektrisierten Studiopublikum auf dem ProSieben-Laufsteg. Bikini oder Abendkleid, Prêt-à-porter oder Haute Couture - die „Mädchen“, wie Heidi Klum sie penetrant zu nennen pflegt, bemühten sich, das Gelernte auf den Punkt zu bringen und wie ein echtes Topmodel ein Bein vor das andere zu setzen. Jede Schwäche kann zum Ausschluss führen, denn wie Klum bis zur Ermattung wiederholt, kann nur eine von ihnen Germany’s Next Topmodel werden.

Die Drei von der Modelschule

Neues gab es dabei nicht zu sehen: Vielmehr bestand die Final-Sendung größtenteils aus Rückblicken auf vorangegangene Episoden der Model-Suche. Damit dennoch keine Langeweile beim Zuschauer aufkommt, platzierte ProSieben zwei Höhepunkte in der Sendung. Nachdem die erste Hälfte der Sendezeit überstanden war, trennte sich Heidi Klum in ihrer unverwechselbaren Art von einer der drei Topmodel-Anwärterinnen. Die dunkelhaarige Hana, deren Ausstrahlung schon sehr an die von Angelina Jolie erinnerte, schied unerwartet als erste aus dem Rennen um die Model-Krone.

Zunächst schockiert erinnerte sich das Publikum jedoch schnell wieder an die kürzlich erschienenen Schlagzeilen der „Bild“-Zeitung. Demnach hat die 21-jährige Abiturientin Hana bereits eine Karriere als Nacktmodel hinter sich und turtelt auf Promi-Partys mit dem berüchtigten Partykönig Michael Ammer. Gelassen kann die Entscheidung Klums, Hana nicht gewinnen zu lassen, zu den Akten gelegt werden. Denn das deutsche Jolie-Pendant wird vermutlich aus eigener Kraft den Weg ins Glamour-Paradies gehen – wenn es sein muss, als neues It-Girl.

Da waren’s nur noch zwei

Nach gefühlten 10 Stunden weiterer Catwalk-Auftritte und einem Spontan-Shooting war es endlich soweit: Anni und Barbara stehen Arm in Arm mit Heidi Klum vor der übergroßen „Cosmopolitan“-Titelseite, die die Siegerin abbilden sollte. Wer denkt jetzt nicht an die Worte des quirligen Jury-Mitglieds Bruce Darnell: „Das ist der Wahrheit“.

Den Spannungsbogen maßlos überstreckend ließ sich ProSieben jedoch noch Zeit mit der Projektion des Siegerfotos und ließ „Mr. Drama“ Bruce Darnell noch mal ans Mikrophon, der die Zuschauer lediglich darüber informieren konnte, dass er vor Aufregung bald „Kacka in die Hose“ zu machen plant. Belustigt erträgt das Publikum noch einen letzten Werbespot vor der Entscheidung – einen für Lippenstift versteht sich. Schließlich wurde das Warten selbst für Heidi Klum zu anstrengend, die sodann die Leinwand anschrie: „Verwandle Dich, verwandle Dich endlich!“.

Und plötzlich ging dann alles ganz schnell: Das Foto von Barbara erscheint, die Finalistinnen fallen sich zu Tränen gerührt in die Arme, Mathematikstudentin Barbara wird der Sieg mit einem Auto versüßt, Heidi verabschiedet sich, und schon findet sich der Zuschauer bei der humoristischen Nachbetrachtung in Stefan Raabs „TV-Total“ wieder – als sei das Format der Modelsuche nicht bereits lachhaft genug.

Das öffentliche Privatleben der Kandidaten

Wir kennen das Prinzip bereits aus „Big Brother“ und „Deutschland sucht den Superstar“: Ganz normale Menschen, weitgehend ohne TV-Erfahrung, flimmern täglich über die Bildschirme in den Wohn- und Kinderzimmern Deutschlands, stellen ihr Privatleben öffentlich zur Schau. Und das Konzept geht auf. Formate wie „Germany’s Next Topmodel“ erreichen Einschaltquoten, die mit dem Standard-Programm nicht zu erwarten sind (durchschnittlich 20,8 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe).

Die Faszination des Privaten scheint der Schlüssel zum Herzen der Zuschauer zu sein. Das Model-Casting installierte einen Telefonraum für die „Mädchen“, damit sie während der Auslandsaufenthalte den Kontakt zu ihren Liebsten nicht verlieren. Selbstverständlich wurden die „privaten“ Gespräche aufgezeichnet und in der Sendung ausgestrahlt. Doch damit nicht genug: ProSieben sendet täglich seinen Trabanten „Germany’s Next Topmodel – Das Magazin“ aus, um teils brisante teils langweilige Details aus dem Leben der Model-Anwärterinnen zu dokumentieren und dem Zuschauer als Beilage zu servieren.

„Das Magazin fängt da an, wo die Erfolgs-Show mit Heidi Klum aufhört“, so die treffende Selbstbeschreibung der 15-Minuten-Sendung. Während die eigentliche Show nur die Tür der Privatsphäre aufstößt, dringt das Magazin in die Tiefe persönlicher Schicksale ein.

Warum hat Anni keinen Vater mehr? Wie herzlich wird Hana nach der Hollywood-Exkursion von ihrem Freund im vertäfelten Dachgeschosszimmer empfangen? Wieso sehen sich Barbara und ihr Freund nur am Wochenende? Brennende Fragen, auf die der voyeuristische Zuschauer Antworten verlangt – und, das ist das erschreckende, diese auch bekommt.

Topmodel – und jetzt?

Barbara Meier jedenfalls hat es nun geschafft. Keine der anderen Kandidaten hat es besser bewerkstelligt ein Model zu imitieren, als die rothaarige Mathematikstudentin. Nach der ersten Euphorie sollte sich jedoch auch für das neue Topmodel die Frage stellen, was sie damit eigentlich gewonnen hat. Einen Vertrag mit „IMG Models“, ein paar Auftritte vor aufregender Kulisse und vereinzelte Fotos auf Titelseiten deutscher Illustrierten. Das ist alles. Wie von allen Gewinner der etablierten Castingshow ist von Barbara kein steiler Aufstieg auf die begehrten Laufstege dieser Welt zu erwarten. Barbara ist keine und wird nie eine Kate Moss oder Heidi Klum, auch wenn sie alle bei der gleichen Modelagentur unter Vertrag stehen.

So ist auch von Barbaras Vorgängerin Lena Gercke schon lange keine Rede mehr. Ihre steile Karriere feiert sie derzeit als Covergesicht der Programmzeitschrift „TV Schlau“. Barbara ist gut beraten, wenn sie sich gar nicht erst vorstellt, die Entwürfe bekannter Modedesigner neben Naomi Campbell und Gisele Bündchen präsentieren zu dürfen.

Geistesgegenwärtig und bislang zumindest noch geerdet hat Barbara nach eigenen Angaben vor, das Studium nach Abschluss des Vordiploms vorerst ruhen zu lassen, um es nach Ende der Modelkarriere wieder aufnehmen zu können. Bleibt zu hoffen, dass sie jetzt jemand an dieses Vorhaben erinnert.

Wer wirklich gewonnen hat

Wahre Gewinner hingegen dürften Heidi Klum und ProSieben sein. Heidi sicherte sich neben ihrer Modeltätigkeit eine zweite Einnahmequelle als Moderatorin der Show. Ungelenk und mit nur geringem Wortschatz ausgerüstet ist sie das Gesicht der Show, das ihren Erfolg über die normale Dauer einer Modelkarriere hinweg sichern dürfte. Auch ProSieben verdiente am Model-Casting: Mit den Werbeeinnahmen sollte der Sender schwindelerregende Summen eingenommen haben.

Nach etlichen Staffeln von „Big Brother“, vier von Deutschland gesuchten Superstars, und zwei Durchgängen von „Germany’s Next Topmodel“ fragt sich allerdings, wie lange die Begeisterung für solche Formate noch erhalten bleiben kann. ProSieben zeigt sich optimistisch und plant bereits eine dritte Staffel des Model-Castings. Freuen wir uns also gemeinsam mit Bruce Darnell auf neue „supertolle“ „Mädchen“, die unglaublich „sexy, sexy, sexy“ aussehen und uns vor Aufregung, wenn schon nicht die Schamesröte ins Gesicht, so zumindest die „Kacka in die Hose“ treiben.

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