Ein bereits identifizierter Täter hat dem Weblog 'netzpolitik.org' etwa eine Million Profile des Sozialen Online-Netzwerks 'SchülerVZ' zugespielt. Darin enthalten sind Name und dazugehörige Schule. Ein weiterer, kleinerer Datensatz zeigt detailliertere Informationen von Name, Schule, Geschlecht, Alter und Profil-Bild an. Datenschützer raten Nutzern von sogenannten 'social communities', nicht zu viele persönliche Informationen im Internet preiszugeben.
"Wir haben es mit hochkriminellen Leuten zu tun", erklärte der Geschäftsführer der VZnet-Netzwerke Markus Berger-de León. SchülerVZ sowie StudiVZ und meinVZ gehören zu diesem Unternehmen, das in Deutschland 15 Millionen Mitglieder zählt und damit deutscher Marktführer von Sozialen Online-Netzwerken ist. Berger-de León teilte mit, dass die Hacker in der vergangenen Wochen die kopierten Daten aus den SchülerVZ-Profilen in einem geschlossenen, passwortgeschützten Internetforum zum Download bereitstellten. Insgesamt siebzehn Nutzer hätten diese auch dort heruntergeladen. Dem Weblog 'netzpolitik.org' zufolge könne man anhand der Daten "alle Schülerinnen im Alter von 13, die in Siegen wohnen mit Bild und ihrer Schule" herausfiltern.
Ein Sprecher der VZnet-Netzwerke betonte, dass es sich nicht um ein Datenleck handle. Die Daten, die kopiert wurden, seien ohnehin von allen registrierten SchülerVZ-Nutzern einsehbar gewesen. Speziell geschützte Daten wie Postadressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Fotoalben und Zugangsdaten seien nicht betroffen. Außerdem sollen es zwei Hacker gewesen sein, die die Profile der SchülerVZ-Nutzer ausspähten. Sie benutzten einen sogenannten Crawler, ein automatisches Leseverfahren, um die Informationen zu kopieren. Dieses Kopieren sei illegal "und gleichzeitig ein schwerer Verstoß gegen unsere AGB", so der Sprecher. Die Datenschutzbehörde sei über den Vorfall informiert und das Unternehmen kündigte an, rechtliche Schritte einleiten.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte in der 'Berliner Zeitung' davor, persönliche Daten in Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen: "Der Fall zeigt, dass man sich überlegen muss, wo man Daten preisgibt, speziell im Internet. Daten, die im Internet stehen und von einer großen Zahl von Menschen genutzt werden, können nur schwer gegen Missbrauch geschützt werden."
Auch Falk Lüke, Referent für Verbraucherrechte in der digitalen Welt, erklärte auf 'netzpolitik.org': "Netzwerke sind ein Teil des Internets und nicht von ihm getrennt. Und genau wie im Rest des Netzes gilt, dass nur solche Daten veröffentlicht werden sollten, bei denen man selbst kein Problem damit hätte, wenn diese am nächsten Tag auf einer Zeitungstitelseite stehen würden."
"Beim Datenschutz von Kindern und Jugendlichen in Online-Netzwerken muss ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet sein", forderte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder, ebenfalls in der 'Berliner Zeitung'. "Das muss allerhöchste Priorität genießen!" Glücklicherweise gehe es in diesem Fall nicht um sensible Daten wie Kontonummern, wie jüngst passiert beim Finanzkonzern AWD, wo Abrechnungen von etwa 1.500 AWD-Handelsvertretern im Internet auftauchten. Rohleder rief im Gespräch mit der 'Berliner Zeitung' Eltern von surfenden Kindern auf, darauf zu achten, "was ihre Kinder in Online-Netzwerken tun."
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Der SchülerVZ-Vorfall erinnert auch an den Kundendatenklau der Telekom im vergangenen Jahr. Der für Datensicherheit zuständige Telekom-Vorstand Manfred Balz kündigte im 'Spiegel' an, man wolle die Chefs aller großen Kommunikationsunternehmen in Kürze zu einer Art Gipfelgespräch einladen. Es gäbe im Internet die Entwicklung eines Systems "mit kriminogenen Strukturen". Ein "gefährliches Provisionskarussell" lade geradezu zum Betrug ein. (mme)