Mehrere Großkonzerne, darunter RWE, Siemens und E.on, haben am gestrigen Dienstag angekündigt, sich zu einem Konsortium zusammenzuschließen zu wollen, das durch den Bau solarthermischer Kraftwerke in der Sahara neue Wege bei der alternativen Energiegewinnung erschließen will. In zehn bis fünfzehn Jahren soll daraus erstmals Strom nach Deutschland fließen. Die Projektkosten werden auf 400 Milliarden Euro geschätzt.
Langfristig könnten die Kraftwerke in der Sahara 15 Prozent des gesamteuropäischen Strombedarfes decken, erklärte Torsten Jeworrek, Vorstand der Münchener Rückversicherung, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Auch sein Unternehmen wird das Vorhaben mittragen. Prinzipiell steht in der afrikanischen Wüste sogar so viel Platz für Solarkraftwerke zur Verfügung, dass der weltweite Stromverbrauch gedeckt werden könnte.
Welche weiteren Konzerne mit im Boot sitzen werden, ist noch weitgehend unbekannt. Das sogenannte DESERTEC-Konzept, Sonnenkollektoren zur Stromerzeugung in der Sahara zu errichten, geht auf die Initiative TREC ("Trans-Mediterranean Renewable Enercy Cooperation") zurück. Die Denkfabrik Club of Rome, das jordanischen Energieforschungszentrum NERC sowie ein deutscher Klimaschutz-Fonds riefen sie 2003 ins Leben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist darüber hinaus wissenschaftlicher Partner des Solarthermie-Vorhabens.
Der physikalische Hintergrund des Projektes ist nicht neu. Schon der Grieche Archimedes soll der Legende nach Parabolspiegel benutzt haben, um Sonnenlicht zu bündeln und eine feindliche Flotte in Brand zu stecken. Moderne solarthermische Kraftwerke setzen nach demselben Prinzip Dampfturbinen zur Stromerzeugung in Gang. Zwei wesentliche Vorteile gegenüber anderen Technologien sind zum einen geringere Kosten als etwa bei Photovoltaik. Zum anderen können die Turbinen auch nachts noch Strom aus der in Salzspeichern aufbewahrten Wärme produzieren.
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Kritiker des Vorhabens befürchten eine übergroße politische Abhängigkeit der Empfängerländer wie Deutschland von den Gebieten, in denen der Strom erzeugt wird. Die internationale Zusammenarbeit der europäischen Partner und Nationalstaaten ist ebenfalls eine Herausforderung. Skeptisch äußern sich desweiteren Experten ais dem Umfeld von Hermann Scheer, dem Präsidenten von Eurosolar, einem europäischen Verband für erneuerbare Energien. Der SPD-Politiker hält den Stromtransport für zu teuer. "Es gibt keinen ökonomischen Gesichtspunkt, der wirklich für ein DESERTEC-Projekt spricht", verdeutlichte Scheer gegenüber der Zeitschrift "Technology Review" seinen Standpunkt.