Gestern stellte Luft- und Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) im Bundeskabinett seine Vision einer unbemannten Mondlandung im Jahr 2015 vor. Der Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie rechnet mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro. Die aktuelle Finanzkrise soll dem zukunftsweisendem Projekt keine unüberwindbaren Steine in den Weg stellen.
"Wir haben in diesem Jahr fünf Milliarden für die Abwrackprämie von alten Autos mobilisiert, dann werden wir ja doch für fünf Jahre auch 1,5 Milliarden vielleicht hinkriegen." Sollte die Finanzierung aus deutscher Sicht nicht klappen, könne man bei der Esa oder der Nasa anfragen, so sein Vorschlag.
Eine Rakete soll einen Kommunikationssatellit, ein automatisiertes Landesystem und einen mobiler Forschungsroboter zum Mond befördern. Der Kommunikationssatellit könnte die Bilder vom Forschungsroboter zur Erde senden. Hintze erhofft sich dadurch die von der Erde abgewandte Seite des Mondes zu kartieren.
Er sieht in einer unbemannten Mondmission viele Vorteile für die Forschung: "Es geht dabei ja um Technologien, das heißt um neue Entwicklungen, die nicht nur im Weltraum interessant sind, sondern auch auf der Erde hochinteressant sind." Hintze sagt voraus: "Das wird in der Industrie, aber auch in der Medizin eine Riesenrolle spielen."
Hintze stellte neue Arbeitsplätze durch die Mission in Aussicht. Auch an die in naturwissenschaftlicher Hinsicht müde Jugend hat er gedacht, denn spektakuläre Forschung könnte bei ihnen das Interesse an Naturwissenschaften wecken.
"Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?" Diese Fragen könnten nach Ansicht Hintzes bald der Vergangenheit angehören, weil der Mond "das Archiv unseres Sonnensystems" sei. Er könne sich auch vorstellen, dass der Mond in naher Zukunft hinsichtlich geplanter Marsmissionen als "Weltraumflughafen" dienen könnte. "Wenn die Amerikaner tatsächlich eine Mondbasis errichten wollen und wir anhand der Daten unseres Landes geeignete Standorte empfehlen können, steigen unsere Chancen, daran beteiligt zu werden", erklärte Hintze.
Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstützt Hintzes Plan. Aus technischer Sicht sei der Landetermin 2015 realistisch. CDU und FDP haben sich bereits für die Mondmission ausgesprochen. Die technologie-politische Sprecherin Ulrike Flach (FDP) gegenüber der 'Berliner Zeitung': "Der Mond kann uns viel über die Erde sagen." Eine solche Mission bringe die Wirtschaft und Forschungen zur Flugsicherheit sowie Satellitennavigation voran.
Grünen-Experte Peter Hettlich verurteilt hingegen die Mondmission als "Verschwendung von Steuergeld". Forschungsexpertin der SPD Carola Reimann schimpft: "In Zeiten wegbrechender Steuereinnahmen" nehme Hintze "unseriöse Luftbuchungen" vor und Linke-Politikerin Gesine Lötzsch bezeichnet Hintzes Plan als "Schnapsidee".
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Erst im letzten Jahr stoppte die Bundesregierung das Projekt "Leo". Sie konnte in Anbetracht der Finanzkrise die notwendigen 350 Millionen Euro nicht aufbringen. Dass die Nasa das Projekt mitfinanzieren könnte, gilt eher als unwahrscheinlich. Der Auftrag des US-Kongresses sog. "Killer-Asteroiden" (Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten) zu überwachen, scheiterte Mangels Finanzierung.
Die Entscheidung um die Finanzierung der deutschen Mondmission wird allerdings erst nach der Bundestagswahl fallen. (mm)