„Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ heißt eine neue Show auf RTL II. Mit einem Lügendetektor werden Kandidaten bei der Beantwortung auch intimster Fragen überwacht. Und dabei geht es wieder mal nur um eins – die Quote.
Gar zu verlockend klingt das Angebot des Senders: Für 21 wahrheitsgemäß beantwortete Fragen gibt es 25.000 Euro. „Endlich eine Show, in der die Kandidaten nicht mit Allgemeinwissen brillieren müssen. Bei uns brauchen Sie auch kein besonderes Talent oder Glück. Sie müssen die Wahrheit sagen. Und dazu gehört Mut - denn nichts kann bitterer sein als die Wahrheit und nichts als die Wahrheit".
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Der Lügendetektor fand bislang im TV-Alltag wenig Anwendung und ist damit eine Marktlücke, an der nunmehr gelangweilte Zuschauer der Formate „Big Brother" oder dem RTL-Dschungel-Camp bestimmt Gefallen finden. Hier, vor dem alle Regungen kontrollierende Apparat, zieht auch das letzte Mittel im Reality-Show-Dschungel nicht mehr - die Notlüge. Seelenstriptease nennt man das wohl, und das ganz bequem aus dem Studiosessel heraus. Warum sich also mit gekochtem Känguru-Anus herumärgern, wenn man die eigene Selbstfindung doch so viel müheloser erleben kann.
Und bei der gestrigen Show kamen dann auch schon einige Peinlichkeiten zu Tage. Gleich bei der ersten Kandidatin Tina ging Moderator Christoph Bauer aufs Ganze. Ob sie denn schon einmal „ihr großes Geschäft in der Badewanne verrichtet" hätte. Zum Erstaunen des Saalpublikums gab es dafür ein eindeutiges Ja von Tina. Da winkten der Kandidatin noch Gewinnmöglichkeiten im dreistelligen Bereich. Die kalte Dusche sollte jedoch bald folgen. Die Frage, ob sich Tina, für die schlaueste ihrer Familie halte, verneinte die Kandidatin diplomatisch - und schon hallte der verdammende ‚Lüge'-Spruch aus dem Off.
Experten weisen indessen schon lange darauf hin, dass der Lügendetektor kein geeignetes Mittel ist, um nach der Wahrheit zu forschen. Er misst nur Veränderungen der Atemfrequenz, des Pulses und des Blutdrucks. Allein der durch die Befragung ausgelöste Stress kann demnach schon Unregelmäßigkeiten hervorrufen - erst recht vor laufender Kamera. Aber das wird RTL II kaum stören - solange die Quote stimmt.
Das TV-Format orientiert sich an der Show „The Moment of Truth", die jüngst beim US-Sender Fox Premiere hatte. Die kolumbianische Version ist im letzten Jahr übrigens verboten worden. Eine Kandidatin hatte zugegeben, einen Auftragskiller auf ihren Mann angesetzt zu haben. Und weil es keine Lüge war - der Detektor hat's bewiesen - strich sie auch den Gewinn ein. Da steht uns ja noch einiges bevor. (ta)