Wenn ein intelligenter Mann eine von allen geliebte Schönheit angreift, wird das schnell zum Medien bestimmenden Ereignis. So geschah es, dass der via ‘taz’ vollzogene Angriff von Roger Willemsen auf Topmodel und ‘Germany’s Next Topmodel’-Macherin Heidi Klum hohe Wellen schlug. Nun meldet sich die Angegriffene selbst zu Wort und wirft ihrem Kontrahenten aus der eigentlich höheren Bildungsschicht Niveaulosigkeit vor.
In der ‘taz' vor wenigen Wochen schrieb Roger Willemsen einen bissigen Kommentar zu Heidi Klum und ihrer Casting-Show ‘Germany's Next Topmodel'. Darin steht schwarz auf weiß geschrieben: "Da möchte man elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln - wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre."
Aus dieser Aussage macht Heidi Klum nun die Androhung von Gewalt und fragte, wie "ein angeblich intelligenter Mann" ankündigen könne, "eine schwangere Frau verprügeln" zu wollen. Darauf liefe die Aussage von Dr. Willemsen nämlich hinaus, erklärte die Mutter, die bald ihr viertes Kind erwartet. So etwas sei ihr noch nie passiert, obwohl sie in ihrem Leben im Rampenlicht "schon einiges an den Kopf geworfen bekommen" habe.
Doch wirkliche Sorgen macht sich die Model-Mama der Nation um ihre Gesundheit nicht. Ihr geht es vielmehr um die mangelhaft ausgefüllte Vorbildfunktion von Willemsen: "Wenn jemand wie Roger Willemsen, der in der Öffentlichkeit steht solche Aussagen von sich gibt, dann ist es doch für den kleinen Mann auf der Straße schon lange okay", warnt Klum. Zudem hoffe sie, "dass andere Menschen und vor allem unsere Jugendlichen schlau genug sind, sich nicht auf das Niveau von Herrn Willemsen zu begeben."
Ob das Niveau von Willemsen wirklich so niedrig ist, wie Klum nun glauben lassen mag, ist bei genauerer Betrachtung seines Textes zum Hype um Castingshows doch fraglich: Mit interessanten Begriffsbildungen beschreibt der TV-Moderator und Schriftsteller das bigotte Spektakel um die halbnackten und zum Teil minderjährigen Mädchen. Er bezeichnete die 35-jährige Jurorin als "unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil, die kleine Mädchen zum Weinen bringt."
Weiter schreibt Willemsen sich kreativ voll austobend: "Die hochgerüstete Belanglosigkeit wird zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochgeschwindelt." Anschließend spricht der Doktor von der beinahe nicht zu ertragenden Nichtigkeit von ‘Germany's Next Topmodel'. Trotz dieser zum Teil doch sehr treffenden und sprachlich ausgezeichnet formulierten These spricht Klum von einem fiesen und hinterhältigem Angriff auf sie. Vor konstruktiver Kritik schrecke das Model normalerweise nicht zurück, aber diese wüsten Angriffen konnte noch nicht einmal Klum gekonnt weglächeln, wie sie es sonst so liebenswürdig macht.
Das Motiv dahinter will die so erfolgreiche Geschäftsfrau - in diesem Jahr soll Klum hinter Giselle Bündchen am zweit meisten im Model-Business verdient haben - auch schon kennen: Es sei der pure Neid sein: "Viele möchten eben auch mal wieder in der Zeitung stehen. Normale Nettigkeiten gegenüber einem anderen machen selten Schlagzeilen. Also muss man sich etwas Härteres ausdenken, um es überhaupt in die Medien zu schaffen", wird die 35-Jährige zitiert.
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Andererseits muss man natürlich auch bedenken, dass es Klum ohne das Zutun von Willemsen nicht in die ‘tat' geschafft hätte. Insofern kann die tüchtige Geschäftsfrau und allseits beliebte Grinse-Jurorin den Vorfall unter dem Motto ‘Auch schlechte Publicity ist Publicity' einordnen. Willemsen zumindest schweigt vornehm wie ein Gentleman und nicht aufreizend wie eine Rampensau nach dem stilvollen und wortgewaltigen Angriff auf Heidi Klum von nun an. (cai)