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Six Doors: Ein Frauenleben als endlose Vabenstruktur

12.10.2009INSTALLATION MIT SUGGESTIVKRAFT

Six Doors: Das Leben als endlose Vabenstruktur

In München hat ein Künstlerduo eine Installation entworfen und realisiert, die auf einer simplen wie genialen Idee beruht: Ein Oktagon ermöglicht über sechs seiner Wände den Einblick in sechs weitere Oktagona, von denen aus jeweils weitere sechs Türen den Gang in die Unendlichkeit suggerieren.

Eine Illusion, in der man gerne aufgehen möchte: In der Müchner Bavariastraße (Nomen est Omen) steht ein schwarzer Kubus, der es in sich hat.

Steigt man in ihn hinein, erlangt man Zugang in einen Raum im oktogonalen Grundriss eines Zentralbaus, wie er in früheren Epochen oft bei Sakralbauten wie dem Felsendom in Jerusalemsowie bei säkular-repräsentativen Gebäuden wie der Pagodenburg im Münchner Schlosspark Nymphenburg verwendet wurde. Von dort aus kann man über Spione in sechs Türen in weitere sechs Räume mit acht Wänden blicken, die jeweils die sechs Lebensphasen einer Frau repräsentieren.

Der Witz daran: Diese Räume existieren selbstredend nur in der Phantasie des Betrachters, denn in dem schwarzen Kubus hätte Künstlerin Sonja Maria Kröner (30) eine solch riesige Struktur gemeinsam mit ihrem Kompagnon Siegmar Warnecke (38) gar nicht unterbringen können. Vielmehr handelt es sich dabei um auf täuschend echt wirkenden Flachbildschirmen nachgestellte Szenen, die im Raum selbst gefilmt wurden, in dem der Betrachter sich just befindet.

Die Frauen in den sechs Räumen sind eigentlich jeweils immer dasselbe Individuum, nur eben Mal für Mal in einer anderen Lebensphase abgebildet. Während sowohl die Frau selbst in dem Raum ganz physisch sichtbar ist, geben Einrichtungsgegenstände und -stil um die Person herum Einblick in die wandelnden Prioritäten im Laufe eines Menschenlebens. So bevölkert die Frau in ihrer letzten Lebensphase als 78-Jährige eine steril anmutende Küche, in der aus den Wänden ragende Hände mögliche Hilfeleistende, aber auch nach ihr greifende Erinnerungen repräsentieren könnten.

Kröner selbst begründet die Wahl der architektonischen Grundstruktur mit einem Blick in die Baugeschichte: "Jede Erfahrung braucht ihren eigenen Raum. Und ähnlich wie in früheren Epochen 'Sinnbilder' immer ihren Platz an einem ihrer Bedeutung angemessenen Ort fanden, soll auch für die Allegorie 'Six Doors' ein eigens für sie geschaffener Raum mit seinen ganz eigenen Rezeptionsbedingungen geschaffen werden."

Die in den kleinsten Details ausgefeilte und perfektionierte Struktur hätte nicht realisiert werden können, wäre in der juristischen Person der Kirch Stiftung nicht ein Mäzen in Erscheinung getreten, der das Unterfangen finanziert hätte. Warum ausgerechnet Six Doors in den Genuss dieser Förderung kam, begründet die verantwortliche Jury schlüssig wie folgt: "Mit der allegorischen Raumskulptur 'Six Doors' öffnet sich im wahrsten Sinne des Wortes ein medialer Raum für Reflexion über das Leben, das Alter und die Vergänglichkeit des Seins."

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