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Gucci setzt auf mehr Sinnlichkeit und weniger Sex - frei nach Carla Bruni-Sarkozy

20.07.2010KLARE NEUE LINIE

Gucci setzt mit der Bamboo Bag auf mehr Sinnlichkeit

Das Florentiner Edel-Label Gucci vollzieht derzeit eine stilistische Kurskorrektur und stellt wieder stärker die Tradition des Hauses in den Vordergrund. Nach den provokanten sexuellen Anspielungen von Star-Designer Tom Ford richtet Nachfolgerin Frida Giannini die Kollektionen und tonangebenden Leder-Accessoires der Maison wieder stärker auf handverlesene Sinnlichkeit aus.

Kinderfreundlich statt lasziv: Die Mode von Gucci möchte nicht mehr mit öffentlich zelebrierter Sexualität provozieren, sondern auf hohem Niveau alltagstauglich sein.

In der zweiten Hälfte der Neunziger hatte das Duo aus Labelchef Domenico De Sole und Designer-Ikone Tom Ford die Marke stark über explizit verführerische Botschaften positioniert, die in der Regel aus der Linse des peruvianischen Star-Fotografen Mario Testino stammten. Diese Tendenz gipfelte seinerzeit in dem fast schon vulgär anmutenden Bildmotiv einer zum G frisierten Frauenscham, die weltweit Reklamewände wie Litfaßsäulen gleichermaßen zierte.

Die Betonung des Sexuellen spielt jedoch spätestens, seit CEO Patrizio di Marco gemeinsam mit Kreativchefin Frida Giannini die Geschicke von Gucci verantwortet, nicht mehr die Hauptrolle. Eine neue Lust nach mit Klasse gelebter Normalität will nun bedient werden, und da passt auch eine Kindermode-Kollektion, wie sie erstmals auf der Pitti Bimbo in Florenz kürzlich enthüllt wurde, präzise ins Konzept.

Nicht mehr nur das geheime Treffen mit dem Lover, sondern auch der Schulgang neben den Kindern soll die geeignete Kulisse für Frauen sein, die Gucci tragen. Sinnlicher Alltag statt körperbetonter Extravaganz, stilsichere Gattin statt verführerische Femme Fatale heißt die Devise.

Im Interview mit der Mailänder Tageszeitung 'Corriere della Sera' beschreibt Geschäftsführer Patrizio di Marco diese strategische Weichenstellung jedoch nicht als urplötzliche Zäsur, sondern als schritweise zu vollziehenden Imagewandel: "Dieses Unternehmen hat schon viele Leben hinter sich. In den Neunzigern sowie zu Beginn der Nuller Jahre hat es einen dezidierten Ausrutscher in Richtung der Mode des Augenblicks gegeben. Das war eine Übertreibung. Mit Frida Giannini gemeinsam haben wir jetzt ein neues Gleichgewicht geschaffen."

Auch er persönlich habe sich im Rahmen dieses Prozesses stark engagiert: "Als ich bei Gucci angefangen habe, habe ich auf einem Bildschirm alle Shows von Tom Ford Revue passieren lassen. Alle. Und dabei habe ich eins verstanden: In jenen Jahren ist ein Weg eingeschlagen worden, der nicht mehr mit den neuen Ansprüchen und Bedürfnissen unserer Kunden im Einklang war."

Carla Bruni-Sarkozy
15 Bilder

Daraus habe er dann gemeinsam mit Giannini Konsequenzen gezogen: "Es weht ein anderer Wind. Frida hat den Fokus vom Sexuellen aufs Sinnliche verlagert. Jetzt ist Gucci, wenn nicht sittsam, so doch sicherlich ausgeglichener. Du darfst nie vergessen, wo du herkommt - sonst weißt du irgendwann auch nicht mehr, wer du bist."

Deshalb geht es jetzt bei Gucci auch wieder mehr um die traditionellen Stärken des Hauses, und weniger um kurzlebige erotische Verführungskunst. Konkret bedeutet dies die Wiederauflage der Klassiker der Maison, allen zuvorderst jene 1947 entstandene Bamboo Bag, der einst schon Ingrid Bergman huldigte, und die jetzt gerne mal Carla Bruni-Sarkozy auf dem Treppchen des französischen Präsidentenflugzeug zur Schau trägt.

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Wie eh und je sind es derweil die erlesenen Materialien wie feinstes Krokodil-Leder und ihre Verfeinerung, die bei Gucci die Exklusivität der Marke garantieren sollen. Nicht zuletzt wird jedes Erzeugnis des Hauses nach wie vor von erfahrenen Handwerkern in Casellina bei Florenz gefertigt - als intensiv gelebtes Bekenntnis zu den eigenen Ursprüngen und Werten.

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