Ein ausgemergelter, nackter Frauenkörper ziert künftig die Plakate der italienischen Modemarke „No-l-ita“. Oliviero Toscani, der Fotograph der Kampagne, will mit den Schockfotos auf das Problem Magersucht aufmerksam machen. Der...
Ein ausgemergelter, nackter Frauenkörper ziert künftig die Plakate der italienischen Modemarke „No-l-ita“. Oliviero Toscani, der Fotograph der Kampagne, will mit den Schockfotos auf das Problem Magersucht aufmerksam machen.
Der italienische Fotograf Oliviero Toscani sorgt mit Schockfotos zum Thema Magersucht für große Aufregung. Für die italienische Modemarke „No-l-ita“ entwarf der Fotograph Plakate, die den ausgemergelten, nackten Körper eines jungen magersüchtigen Mädchens zeigen.Die Zeitung „La Republica“ veröffentlichte die Anzeige der Modemarke zu Beginn der Mailänder Modewoche.
Es ist nicht das erste Mal, dass Toscani mit solchen Schockfotos Schlagzeilen macht. 1984 wurde durch seine spektakuläre Benetton-Werbekampagne berühmt, die er bis zum Jahr 2000 entwarf: Bilder von Sterbenden, Nackten, ölverschmierten Tieren oder küssenden Nonnen und Priestern schockierten damals die Welt.
Toscanis Motto lautete schon damals: Provoziere die Menschen mit Schocktherapie, rufe verdrängte Themen mittels eine Werbemaschinerie ist Bewusstsein - dadurch bekommt ein Label Aufmerksamkeit.
Diesem Credo scheint Toscani auch in seiner neuesten Werbekampagne nachzukommen: Er will schockieren aber auch verändern. „Magersucht ist ein Tabuthema für die Modewelt, wie es früher mit Aids war. Ich glaube, dass die Mode stark zur Verbreitung der Anorexie beigetragen hat. Die Medien führen Mädchen Erfolgsbeispiele vor, die unerreichbar sind. Das Fernsehen hat eine Gesellschaft geschafft, die sich nicht liebt und nicht akzeptiert. Das System ist degeneriert“, sagte Toscani der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
Das italienische Gesundheitsministerium greift nun die Initiative gegen Magersucht auf. Es will die Fotos der von Toscani fotografierten Kampagne später in den Städten auf Plakatwänden fortsetzen.
Den Augen geöffnet, hatte den Behörden der Hungertod eines Models Ende vergangenen Jahres. Ein Manifest verbietet seitdem Modeverbänden Models unter 16 Jahren an Modeschauen teilhaben zu lassen. Außerdem benötigen alle Teilnehmerinnen ein ärztliches Attest, welches belegt, dass sie unter keiner Essstörung leiden.
Dennoch laufen nach wie vor Models auf den Modeschauen, denen die Knochen hervorstechen. Ein echter Bewusstseinswandel muss erst noch eintreten - Toscanis Kampagne könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein. (ld)