Der noch-Präsident des AC Mailand und designierte Ministerpräsident von Italien, Silvio Berlusconi, hat erneut eine europäische Superliga nach amerikanischem Vorbild gefordert. Nach Berlusconis Vorschlag sollten die größten europäischen Vereine eine eigene Meisterschaft ausspielen, um Auftritte in der Provinz vor menschenleeren Stadien zu verhindern.
In einem Radio-Interview klagte der italienische Ministerpräsident: „Wenn man eine so teure Mannschaft aufbaut, kann man nicht in der Provinz vor weniger als 20 000 Zuschauern spielen." Ein bisschen kann man Berlusconis Vorschlag verstehen, schließlich hat der Medien-Mogul zig Millionen auch aus seinem Privatvermögen in den AC Mailand gesteckt. Dennoch ist der italienische Spitzenclub momentan nicht auf Champions League Kurs. Damit fehlen bei Milan in der kommenden Saison viele Millionen Euro an Fernsehgeldern.
Doch die Argumentation von Berlusconi weist einige Mängel auf. Der Vorschlag, „die großen Clubs sollten ihre eigene Meisterschaft haben" ist nämlich schon lange überholt. Schon Anfang der 90er Jahre gehörte Berlusconi zu den Befürwortern einer europäischen Superliga. Doch nach der Reform der Champions League verfolgt mittlerweile keiner der europäischen Top-Clubs mehr eine solche Idee. Dies liegt vor allem daran, dass die Vereine ihre heimischen Fans nicht vergraulen wollen.
Doch vor allem in Italien brechen den Vereinen die Einnahmen durch Stadionbesuche immer mehr weg. Teilweise spielen die Top-Clubs aus Mailand, Rom oder Turin vor menschenleeren Tribünen. Doch weder die englische, noch spanische oder deutsche Liga will Berlusconis Vorschlag mitmachen. Jahr für Jahr stürmen in diesen Ländern immer mehr Menschen in die Stadien, und drücken oftmals dem kleinen Underdog gegen die etablierten und reichen Vereine die Daumen - und wer würde denn schon gerne auf eine Niederlage der großen Bayern gegen eine no-name Truppe wie Energie Cottbus verzichten?
Berlusconi kann sein Vorhaben auf europäischem Parkett ohnehin nicht mehr lange weiter verfolgen. Sobald er als Ministerpräsident vereidigt wird, tritt der Multi-Milliardär als Milan-Präsident zurück. Dennoch hat Berlusconi weiter großen Einfluss auf die Geschicke von Milan, denn er bleibt Besitzer des Clubs. Auch ein neuer Präsident soll erstmal zu Lebzeiten Berlusconis nicht mehr gewählt werden. Geschäftsführend im Amt ist dann sein langjähriger Vertrauter und aktueller Vize-Präsident, Adriano Galliani.