Am kommenden Freitag geht ‚Germany's Next Topmodel' in die dritte Runde, doch wahre Fans der Sendung werden beim Auftakt Pantomschmerzen haben: Bruce Darnell, mit seinem konfus-emotionalen Sprüchen einst das Herz der Show, verweilt mittlerweile bei den Öffentlich-Rechtlichen. Heidi Klum weint ihm allerdings keine Träne nach, und hat bei der diesjährigen Staffel als Laufstegtrainerin selbst Hand angelegt. Läuft sie ihrem einstigen Quotenmagneten nun den Rang ab?
Darauf, dass Heidi Klum nun Bruce Darnell endgültig in den Schatten stellt, deutet einiges: Mit seinem 25-minütigen ARD-Format erreichte der einstige ‚Laufstegfürst' am vergangenen Mittwoch gerade einmal 1,62 Millionen Zuschauer, in der Vorwoche waren es im Schnitt noch 1,77 Millionen gewesen. Darnell gibt sich darüber kaum betrübt: Wenn er auch nur einem Menschen mit seiner Show geholfen habe, sei sein Ziel bereits erfüllt, gibt sich der zum Lebensberater mutierte US-Marine gegenüber der ‚Bunten' gewohnt schwülstig.
Auch die ARD erklärte flugs, sie werde an den 20 geplanten Folgen in jedem Fall festhalten. Dazu spöttelte die ‚Süddeutsche Zeitung' bereits, bei einem privaten Sender wäre die Darnell-Show so rasch passé gewesen, wie das Make-Up einer seiner Kandidatinnen.
Heidi Klum rüstet hingegen zum gewohnten Quoten-Höhenflug: Auch ohne Darnell, so schwant ihr, dürfte vor allem die jüngere Generation den Freitagabend wie gewohnt 14 Folgen lang gefesselt vor dem Bildschirm verbringen. Im Interview mit der ‚Welt' erläutert Klum indessen die Hintergründe zur Trennung von Darnell: Bruce habe sich entschieden, das Angebot einer eigenen Sendung seitens „eines anderen Senders" anzunehmen. Sie selbst habe zwar noch einmal persönlich versucht, ihn zu erreichen, darauf aber keine Reaktion erhalten: „Ich hätte das Angebot, eine eigene Sendung zu machen, wahrscheinlich auch angenommen. Das kann ich gut verstehen", gibt sich das Topmodel gewohnt sportlich.
Dass sie in ihrer Show viel härter erscheint, als man sie bislang in der Öffentlichkeit kannte, nimmt die Laufsteg-Queen gelassen - es gehe ihr eben darum, den Kandidatinnen ein realistisches Bild der Arbeitswelt in der Modelbranche zu vermitteln. „Wird für ein Cover ein freundliches Gesicht gesucht und man schaut nur cool, dann geht das nicht", so Klum zu den hohen Anforderungen an die Selbstdisziplin im Modelbusiness.
Einen Präzedenzfall dürfte sich Heidi Klum dieser Tage jedenfalls zur Härte des TV-Geschäfts selbst intensiver anschauen: Vergangene Woche verdonnerten deutsche Jugendmedienschützer RTL zu 100.000 Euro Strafe wegen der „herabwürdigenden" Sprüche von DSDS-Juror Dieter Bohlen (‚Deutschland sucht den Superstar"). Man darf sich eines sicher sein: Die Sprüche in der Modelshow dürften auch in dieser Staffel streng oberhalb der Gürtellinie bleiben. Zwar mimt Heidi Klum die eiserne Business-Lady mit dem freundlichen Antlitz. Doch genauso lernfähig, wie sie ihre Kandidatinnen haben will, wird sie wohl auch selbst sein.