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US-Kriegsschiff legt in Georgien an - Russland tändelt mit Lateinamerika

09.09.2008ARGWOHN AUS MOSKAU

US-Kriegsschiff legt in Georgien an - Russland tändelt mit Lateinamerika

Nach der Ankunft des US-amerikanischen Kriegsschiffes 'Mount Whitney' in der georgischen Hafenstadt Poti haben die russischen Streitkräfte ihre Präsenz verstärkt. Die georgische Regierung in Tiflis bestätigte entsprechende Augenzeugenberichte. Moskau fühlt sich von den Amerikanern provoziert, sammelt aber zur gleichen Zeit eifrig Verbündete in Latein- und Südamerika.

Ein Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation in Poti berichtete, sechs weitere russische Panzer seien in die Hafenstadt verlegt worden. Während des Fünf-Tage-Krieges mit Georgien bombardierte die russische Armee Poti, versenkte dort stationierte georgische Schiffe und besetzte anschließend die Stadt. Seit dem Ende der Kämpfe unterhält Moskau weiterhin mehrere Kontrollpunkte im Gebiet. Georgien und die Europäische Union fordern vehement einen Truppenabzug, doch Russland erklärt, die Kontrollpunkte seien Teil einer Friedensmission.

Die 'Mount Whitney' legte bereits am Freitag in Poti an. Nach georgischen Angaben hatte das Schiff lediglich 4.000 Decken, Saft, Trockenmilch sowie verschiedene Hygieneartikel an Bord. Russland vermutet jedoch, das Kriegsschiff habe in Wahrheit Waffen geladen, mit denen Tiflis die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien wieder erobern will. Das in die NATO strebende Georgien erhält seit Jahren umfangreiche Waffenlieferungen aus dem Westen. Die US-amerikanischen Streitkräfte in Europa erklärten, es sei nicht geplant, Russland eine Frachtinspektion zu gestatten, da Poti souveränes georgisches Gebiet sei. 

Ein Sprecher des russischen Außenamtes merkte in Moskau an, dass die Frachträume des Kriegsschiffes für derart umfangreiche Hilfslieferungen eigentlich zu klein seien. Russland werde auf diese Provokation dennoch nicht militärisch reagieren. Die Präsenz der 'Mount Whitney' stelle allerdings eine Verletzung des Vertrags von Montreux aus dem Jahr 1936 dar, der unter anderem den Einsatz von Kriegsschiffen im Schwarzen Meer regelt. Die US-Marine hatte seit dem Ende des Krieges bereits zweimal Hilfslieferungen an Georgien durchgeführt, legte dafür jedoch in der südlicher gelegenen Hafenstadt Bantumi an, die weitab von der ehemaligen Front liegt.

Doch auch Moskau lotet aus, wie weit es gehen kann, und umgibt sich mit neuen Verbündeten vor Washingtons Haustür. Nach offiziellen Angaben werden Venezuela und Russland vom 10. bis 14. September gemeinsam ein Flottenmanöver in venezolanischen Hoheitsgewässern durchführen. Hugo Chavez, Venezuelas Staatschef, hatte erst eine Woche zuvor in seinem traditionellen Sonntags-Fernsehprogramm erklärt, es sei „kein Problem", wenn die russischen Luftstreitkräfte Zwischenlandungen in seinem Land einlegen wollen. Der linkspopulistische Chavez gilt als Widersacher Washingtons und umgibt sich systematisch mit Partnern, denen die USA ebenfalls nicht wohl gesonnen sind. So unterhält Venezuela beispielsweise enge Handelsbeziehungen mit Kuba und dem Iran.

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Währenddessen erklärte Nicaragua, als erste Nation nach Russland die Unabhängigkeit der von Georgien abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien offiziell anerkennen zu wollen. Staatschef Daniel Ortega erklärte, Russland habe „keine andere Wahl" gehabt, als den beiden Territorien militärisch zur Seite zu stehen. Der 62-Jährige verurteilte außerdem den „globalen Kapitalismus", der Kriege im Irak sowie in Afghanistan anzettele, sowie Russland mittels der NATO militärisch einkreise. Die Vereinigten Staaten betrachten sich als Schutzmacht der latein- und südamerikanischen Staaten und verbitten sich seit der 'Monroe-Doktrin' von 1823 sämtliche Einmischungen anderer Großmächte in die westliche Hemisphäre.

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