Die USA werden nach Einschätzung der nationalen Geheimdienste in den kommenden beiden Jahrzehnten einen empfindlichen Machtverlust sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht erleben. Dies prognostiziert eine Studie des Nationalen Geheimdienst-Rats (NIC). Dem NIC zufolge werden außerdem Staaten wie Russland und Kanada zu Weltmächten aufsteigen.
Die Geheimdienste haben eine Prognose namens 'Global Trends 2025' vorgelegt, wie die weltweiten Machtverhältnisse im Jahre 2025 aussehen werden. Demnach wird die unipolare Weltordnung, wie sie sich nach dem Ende des Kalten Krieges etabliert hat, bald schon wieder der Vergangenheit angehören. „Obwohl die Vereinigten Staaten wahrscheinlich der mächtigste einzelne Akteur bleiben, wird ihre relative Stärke - sogar auf militärischem Gebiet - sinken und ihr Einfluss schwächer werden", schreiben die Geheimdienste.
Die USA müssten nach Einschätzung des NIC künftig mit aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien um ihren Platz an der Sonne konkurrieren. Die derzeitige Krise an der Wall Street hätten den Einfluss der Vereinigten Staaten bereits gemindert. Russland und Kanada wird ebenfalls ein Aufstieg zur Weltmacht vorhergesagt - beide Staaten profitieren vom Klimawandel, der die landwirtschaftlich nutzbare Saison verlängert und den Zugang zu den immer wichtiger werdenden Ölvorkommen im Norden erleichtert. Russland müsse dafür jedoch entschlossener in den Energiesektor investieren und rigoroser gegen die Kriminalität sowie die Korruption in den eigenen Behörden vorgehen.
Die 120-seitige Studie prognostiziert auch aufstrebenden Staaten wie Brasilien, Indonesien, der Türkei oder dem Iran mehr Einfluss in der Weltpolitik. Teheran müsste dafür jedoch seine theokratische Regierungsform ablegen.
Länder in Afrika und Südasien könnten dem NIC zufolge „unregierbar" werden, denn bereits jetzt regiert in Staaten wie dem Sudan nur eins: Das Chaos. Die Geheimdienste befürchten außerdem, dass ein Land in Mittel- oder Osteuropa in die Hand des organisierten Verbrechens fallen könnte. Die Studie sagt außerdem einen Kampf um Rohstoffe wie Öl und Trinkwasser voraus, der immer verbissener geführt werden wird. Mit der zunehmenden Verbreitung der Nukleartechnik sei ein Atomkrieg um überlebenswichtige Rohstoffe nicht mehr undenkbar.
Wenigstens eine für die Vereinigten Staaten erfreuliche Prognose hatte der NIC zu bieten: Dem Bericht zufolge werde die Terrororganisation Al-Quaida schon bald zerfallen - sogar „schneller, als man denkt", wie es in der Studie heißt. Bereits jetzt werde Al-Quaida in den muslimischen Ländern „immer unpopulärer", behaupten die Geheimdienste.
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Der NIC arbeitete ein Jahr lang am Bericht 'Global Trends 2025'. Derartige Studien sollen der US-Führung Einblick in künftige Risiken und Chancen geben. Die Geheimdienste legen alle vier Jahre eine neue Prognose vor. (fr)