Das WM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und Armenien im türkischen Bursa ist am gestrigen Mittwoch zum Schauplatz einer historischen Geste geworden. Der Türkei-Besuch des armenischen Präsidenten Sersch Sarksjan war der erste jemals. Der 2:0-Sieg der Türken war zwar irrelevant für die Qualifikation zur WM in Südafrika, denn beide Länder haben ihre Chance bereits verspielt. Die türkischen Medien werteten den Besuch des armenischen Präsidenten als "Sieg für den Frieden".
Vor dem Fußballspiel empfing der türkische Präsident Abdullah Gül seinen armenischen Kollegen zum Abendessen in einem Hotel. Herzlich schüttelten sie sich die Hände. Anschließend sahen sie sich gemeinsam das Spiel an. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zwar im Vorfeld gefordert, auf Provokationen gegen die Armenier zu verzichten: "Ich rufe die Fans auf, nicht auf Hetze zu reagieren und die traditionelle türkische Gastfreundschaft zu zeigen."
Türkische Medien berichteten, dass dem Spiel nur ein ausgewähltes Publikum aus Polizeischülern, Soldaten in Zivil und türkischen Familien beiwohnen durften. Nur 100 Armenier erhielten ein Ticket. Um die Sicherheit der armenischen Mannschaft zu garantieren, waren 3.000 Polizisten im Einsatz. Trotzdem wurde die armenische Nationalmannschaft beim Singen der Nationalhymne zu Beginn des Spiels ausgebuht. Nach der Veranstaltung bewarfen türkische Fußballfans einen Bus mit Armeniern an Bord.
Erst vor ein paar Tagen hatten sich die beiden Präsidenten in Zürich getroffen, um Protokolle für die Aufnahmen diplomatischer Beziehungen und die Öffnung der Grenzen zu unterzeichnen. Monatelange Vorarbeiten gingen diesem Treffen voraus. Bereits im vergangenen Jahr hatte Gül seinen Amtskollegen im armenischen Eriwan ebenfalls zu einem Fußballspiel besucht. Es war der Beginn der sogenannten "Fußball-Diplomatie", die die Bemühungen einer Normalisierung des Verhältnisses bezeichnet.
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Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Nachbarland Armenien waren 1993 abgebrochen und die Grenzen dicht gemacht worden. Die beiden Länder stritten 15 Jahren lang um die Grenzregion Berg-Karabach, die eigentlich zu Aserbaidschan gehört, das mit der Türkei verbündet ist. Armenien pocht außerdem seit Jahrzehnten darauf, dass die Türken das Massaker an mehreren Hundertausend Armeniern während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkennen. Die Regierung in Ankara entgegnete, dass es auf beiden Seiten viele Tote gegeben habe. Eine Kommission von Historikern soll nun die Ereignisse aufarbeiten.