Die Aufmerksamkeit, die der gestrige Welternährungstag erregt hat war eher randständig. Weltweit hungern 923 Millionen Menschen. Bald könnte die Marke von einer Milliarde erreicht werden. Das Motto der Vereinten Nationen zum Welternährungstag war "Sicherung der Welternährung: Die Herausforderungen von Klimawandel und Bioenergie".
Seit 1979 wird der Welternährungstag von der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) jährlich mit dem Ziel ausgerichtet, die Menschen weltweit für Hunger und Armut zu sensibilisieren. Zum Welternährungstag versammelten sich Experten aus Afrika, Europa und den USA zu einem Forum, um über neue Wege, den Hunger zu besiegen, zu beraten.
In diesem Jahr scheinen die Menschen jedoch weit mehr für das Thema Bankenkrise empfänglich zu sein, als für den Umstand, dass täglich 13.000 Kinder vor Hunger sterben. Die aktuelle Finanzkrise birgt in sich die Möglichkeit einer globalen Rezession. Dadurch würde sich die Ernährungssituation in den ärmsten Ländern der Welt weiterhin verschlechtern. Die stellvertretende Direktorin des Welternährungsprogrammes (WFP) der Vereinten Nationen, Sheila Sisulu , sagte, dass der Kampf gegen die Unterernährung eng mit den Bemühungen um die Finanzkrise verbunden sei. „Diese Stimme für die Hungrigen und die Armen sollte gleichzeitig gehört werden neben der Krise der entwickelten Welt, die sich um ihre Aktien-Portfolios sorgt."
Der krasse Gegensatz von armen und reichen Weltgegenden zeigt sich auch in der Ernährungsproblematik der Deutschen. Armut muss nicht immer Hunger als Folge haben. Fast neun Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren sind in Deutschland übergewichtig. Sechs Prozent der deutschen Kinder sind sogar fettleibig. Ob dies jedoch mit Armut zu tun hat oder eher ein Ausdruck unserer Konsumkultur ist, bleibt noch offen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) untersuchte mit einer Studiengruppe der Uni Ulm die kurzzeitigen Effekte von Therapien an 1.916 Kindern und Jugendlichen von acht bis 16 Jahren. Bei Behandlungsbeginn waren 14 Prozent übergewichtig, 86 Prozent waren fettleibig oder extrem fettleibig. Nach der Therapie hatten 41 Prozent der Patienten bis zu zehn Kilogramm abgenommen, 15 Prozent bis zu 15 Kilogramm. Erschreckend ist jedoch, dass 12,5 Prozent noch während der Therapie weiterhin an Gewicht zunahmen. Bei 19 Prozent blieb das Gewicht unverändert.
Die Studie ergab, dass sich Kinder in stationären Reha- Einrichtungen leichter taten als in ambulanten Therapien. In Reha- Einrichtungen nahm auch der typisch hohe Fernseh-und PC-Konsum der Betroffenen ab. Bei jüngeren, nicht so stark übergewichtigen Kindern war der Erfolg besonders groß. Der Studie zufolge gibt es keine geschlechtlichen Unterschiede beim Abnehm-Erfolg.
Die Direktorin der BzgA, Elisabeth Pott wies jedoch auf die Schwierigkeiten hin. „Leider wissen wir aus anderen Studien, wie schwierig es ist, die glernten gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen auf Dauer beizubehalten." In Nachuntersuchungen soll deshalb der langfristige Behandlungserfolg überprüft werden.
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Die Weltengemeinschaft sieht sich somit unterschiedlichen Ernährungsproblemen ausgesetzt, die es gemeinsam zu lösen gilt. Auf der einen Seite stehen Menschen, die so unterernährt sind, dass sie sich kaum mehr zu bewegen vermögen, auf der anderen Seite gibt es solche, die aufgrund ihres adipösen Körpers in Trägheit und zuweilen Depression verfallen. (lkl)