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Sarah Palin geht in die Offensive – und greift Barack Obama scharf an

04.09.2008LADY ENTPUPPT SICH ALS PITBULL

Sarah Palin geht in die Offensive – und greift Barack Obama scharf an

Nachdem der Parteitag der US-Republikaner auch wegen Hurrikan ’Gustav’ eher schleppend begonnen hatte, schalteten die Redner des gestrigen Abends auf Angriff. Dabei stand wieder einmal Sarah Palin im Mittelpunkt. Die Kandidatin für das Vize-Präsidentenamt, die John McCain Ende letzter Woche überraschend aus dem Hut gezaubert hatte, hielt eine 40-minütige, umjubelte Rede. Dabei präsentierte sich Palin als kämpferisch und äußert angriffslustig gegenüber McCains Kontrahenten Barack Obama.

Während die Gouverneurin aus Alaska ihre mit Spannung erwartete Rede hielt, saß ihr Ehemann Todd neben der Bühne und wiegte das jüngste ihrer fünf Kinder im Arm. Der kleine Trigg war im April mit Down-Syndrom zur Welt gekommen. Eine Abtreibung hatte für das Ehepaar Palin trotzdem natürlich nie zur Debatte gestanden - ebenso wenig wie für die 17-jährige Tochter der Vize-Kandidatin. Vor wenigen Tagen hatte die Nachricht der Schwangerschaft der Minderjährigen großen Trubel ausgelöst, und Sarah Palin schlagartig in den Mittelpunkt des Medienrummels gerückt.

Nun wandelten die republikanischen Parteitags-Choreografen diese für Palin eigentlich eher nachteilige Meldung in einen Trumpf um. Denn nicht nur die 17-jährige Bristol Palin war anwesend und durfte John McCain die Hand geben - auch der Vater ihres ungeborenen Kindes, der 18-Jährige Levi Johnston war vor Ort. Natürlich werden die beiden demnächst heiraten. So etwas kommt bei der konservativen Parteibasis gut an. Und diese streng christlichen Werte vertrat Palin auch in ihrer gut 40-minütigen Parteitagsrede am gestrigen Mittwochabend.

Kraftvoll und kämpferisch präsentierte sich die 44-Jährige, und ließ keine Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf Barack Obama aus. Einige Politiker benutzten „Wandel" nur, um ihre eigene Karriere voranzutreiben - John McCain aber nutze seine Karriere, um Wandel zu bewirken. Mit diesen Worten griff Palin Barack Obamas Wahlkampfmotto an, und legte gleich noch einen drauf. Über Obamas Tätigkeit als Sozialarbeiter spottete die Powerfrau, sie habe als Bürgermeisterin einer Kleinstadt mehr Verantwortung zu tragen gehabt als der smarte Demokrat aus Illinois jemals in seiner Karriere. Insgesamt versuchte sich Palin mit kraftvollen Angriffen als das Gegenstück zu Obamas geschliffener Rhetorik zu präsentieren.

Auch die Medien, die ihre skandalumwitterte Biographie genüsslich ausschlachten, sowie die Washingtoner Polit-Elite bekamen ihr Fett ab. Sie habe in den vergangenen Tagen gelernt, „dass man, wenn man bei der Washingtoner Elite nicht gut angesehen ist, schon allein aus diesem Grund als Kandidat bei manchen Medien als unqualifiziert angesehen wird", erklärte die Gouverneurin aus Amerikas hohem Norden. Und legte gleich nach: „Hier ist meine Eilmeldung für all diese Reporter und Kommentatoren: Ich gehe nicht nach Washington, damit sie eine gute Meinung von mir bekommen. Ich gehe nach Washington, um den Menschen in diesem großartigen Land zu dienen."

Konkrete politische Aspekte, die Palin erwähnte, drehten sich vor allem um eine aggressive Außenpolitik, sowie eine Innenpolitik der niedrigen Steuern und der gesicherten Energieversorgung. Die Förderung von Öl vor den Küsten, neue Atomkraftwerke, mehr Windkraft, all das brauche Amerika dringend, mahnte die Republikanerin in populistischer Manier: „Wir brauchen amerikanische Energie, produziert durch amerikanische Arbeiter, in amerikanischen Werken verarbeitet."

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Am Ende von Palins Rede brandete frenetischer Jubel auf, der sich noch verstärkte, als überraschend John McCain die Bühne betrat. Eigentlich war der Präsidentschaftskandidat erst am nächsten Tag auf der Versammlung erwartet worden, nun ließ er sich und seine Überraschungskandidatin feiern. McCain rief den Fernsehzuschauern und Delegierten zu: „Meinen Sie nicht auch, dass wir die richtige Wahl für die künftige Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten getroffen haben?" Zumindest die konservative Basis der Republikaner wird diese Frage nach Palins kämpferischer Rede mit einem klaren 'Ja' beantworten.

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