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Israel zwischen Hamas und Fatah: Im Sog der Radikalen

22.12.2008WAFFENSTILLSTAND VORERST VORBEI

Ping-Pong-Spiel um Blut und Ehre: Treiben Hamas und Israel in den Krieg?

Nach dem Ablauf der sechsmonatigen Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas droht der Gazastreifen erneut zum Kriegsschauplatz zu werden. Beide Konfliktparteien schließen einen weiteren Waffenstillstand zwar nicht aus. Gleichzeitig bereiten sie sich aber auf neue Kämpfe vor. Noch ist allerdings unklar, wohin die neue Situation im Nahen Osten führen wird.

Kaum war am Freitag die Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, abgelaufen, hatten die Kämpfer des Islamischen Dschihad ihre Angriffe auf Israel schon wieder verschärft. Nach Angaben der israelischen Armee waren dabei am Freitagmorgen mehr als 60 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden.

Nach dem Wiederaufflammen der Gewalt hatte Israel seinerseits reagiert und eine größere Offensive gegen seinen jahrzehntelangen Feind angekündigt. Erneut wurden Luftangriffe auf Ziele in dem Küstenstreifen angeflogen. Abseits des militärischen Vorgehens lenkten beide Seiten am heutigen Montag jedoch beschwichtigend ein und sprachen sich für eine mögliche Waffenruhe aus. Im Konflikt um den Gazastreifen oszillieren scheinbar auf beiden Seiten die Strategien zwischen Eskalation und Deeskalation.

„Eine Waffenruhe ist natürlich eine Option und kann ernsthaft geprüft werden", sagte der israelische Sozialminister Isaac Herzog, der Mitglied des Sicherheitskabinetts ist, dem israelischen Rundfunk am Montag. Er bekräftigte die Bemühungen des israelischen Kabinetts um eine baldige Beruhigung der Situation. „Wie viele meiner Kollegen bin ich bereit, die Fortsetzung der Waffenruhe unter für Israel günstigen Bedingungen in Betracht zu ziehen."

Noch am Wochenende hatte sich die israelische Regierung gegenüber den Vereinten Nationen jedoch entschlossen gezeigt, gegen Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen mit militärischen Mitteln vorzugehen. Die israelische US-Botschafterin Gabriela Schalev hatte am Sonntag in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon für Verständnis und Hilfe bei dem Umgang mit der radikal-islamischen Hamas geworben. Die Hamas sei verantwortlich für die Situation im Gazastreifen. Angesichts der zunehmenden Angriffe auf israelische Bürger werde der jüdische Staat „nicht zaudern", „militärisch zu handeln".

Außenministerin Zippi Livni kündigte zudem an, sich in den kommenden Tagen mit verschiedenen Außenministern treffen zu wollen, um für die Unterstützung für einen Militärschlag gegen die Hamas zu werben. Was auf die israelische Regierung zutrifft, dem steht auch der Gegner um die radikal-islamische Hamas in nichts nach. Zwar antwortete die Hamas auf die Vorbereitungen Israels für eine größere Offensive im Gaza-Streifen mit der Androhung neuer Selbstmordanschläge. „Der palästinensische Widerstand hat das Recht, jedes Mittel einzusetzen, um sein Volk vor der israelischen Aggression zu schützen, einschließlich Märtyrer-Operationen", betonte Hamas-Sprecher Aiman Taha.

Die islamistische Hamas versuchte am heutigen Montag ebenfalls, die Wogen zu glätten, und erklärte sich dazu bereit, im Gazastreifen eine 24-stündige Feuerpause einzuhalten. Auf Bitten der ägyptischen Vermittler seien die Raketenangriffe am Sonntagabend eingestellt worden, sagte Hamas-Vertreter Taha. Zudem ziehe die Gruppe eine Initiative für einen längerfristigen Waffenstillstand in Betracht.

Doch wird sich die Eskalationsoption wirklich durchsetzen können? Irgendwie scheint in den ganzen Ankündigungen wenig Hoffnung für eine weitere Annäherung in der jahrzehntelangen Auseinandersetzung aufzuflammen. Denn bisher haben die Konflikparteien noch immer neue Streitpunkte gefunden, die sie ihrem erbitterten Feind an den Kopf werfen. Und abseits der verbalen Attacken reizen sich die Gegner immer wieder mit ihren militärischen Spielchen. So wirft die Hamas Isreal vor, es habe in den letzten Wochen mit einer Verschärfung der Blockade des Gaza-Streifens gegen die Vereinbarungen der von Ägypten vermittelten Waffenruhe verstoßen. Israel hingegen forderte als Bedingung für eine Lockerung der Blockade einen Stopp der Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen.

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Da am 10. Februar ein Nachfolger für Ministerpräsident Ehud Olmert gewählt wird und sich Israel mitten im Wahlkampf befindet, scheint wenig Aussicht auf ein mildes Einlenken zu bestehen. Bereits im Vorfeld hatten mehrere israelische Spitzenpolitiker im Wahlkampf versprochen, die Hamas im Gazastreifen zu stürzen. Doch während die Spitzen der verfeindeten Parteien ihre Machtspielchen treiben, leidet unter den verbalen und militärischen Attacken vor allem die eigene Bevölkerung - und zwar auf beiden Seiten. Der Vorfall am Wochenende kostete neben drei palästinensischen Kämpfern wieder einmal auch einem Kind das Leben. Mit Stolz und Ehre wird dieser Kampf wohl kein Ende finden. Mit Menschlichkeit und Mitgefühl vielleicht schon. (sk)

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