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01.09.2008ERINNERUNGEN AN POLTOWSKAJA-MORD

Oppositioneller russischer Journalist Magomed Jewlojew in Polizeigewahrsam getötet

Der oppositionelle russische Journalist Magomed Jewlojew ist am Wochenende in der russischen Provinz Inguschetien durch einen Kopfschuss getötet worden, während er sich in Polizeigewahrsam befand. Diesen Vorwurf erhebt Jewlojews Anwalt Kaloi Achilgow. Polizeiangaben zufolge sei der Schuss ein Unfall gewesen. Die russische Staatsanwaltschaft kündigte Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung an. Der Fall weckt Erinnerungen an die Ermordung der ebenfalls oppositionellen Journalistin Anna Politowskaja, die im Oktober 2006 in ihrem Haus in Moskau tot aufgefunden worden war.

Nach Angaben Achilgows gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hätten Polizeibeamte den Journalisten kurz nach dessen Ankunft auf dem Flughafen von Nasran in Inguschetien festgenommen und seien mit ihm weggefahren. „Während der Fahrt wurde er in die Schläfe geschossen. Sie warfen ihn an einem Krankenhaus aus dem Auto", berichtete der Anwalt. Jewlojew sei daraufhin auf dem Operationstisch gestorben. Die russische Staatsanwaltschaft sprach hingegen von einem „Zwischenfall", infolge dessen sich der tödliche Schuss versehentlich gelöst habe. Daher werde sie auch wegen fahrlässiger Tötung und nicht wegen Mordes ermitteln.

Jewlojew betrieb einen oppositionellen Online-Nachrichtendienst namens ingushetiyaru, der vor allem den Kreml-treuen inguschetischen Präsidenten Murat Sjasikow wiederholt scharf kritisierte. Der Journalist deckte außerdem wiederholt Mißhandlungen der inguschetischen Zivilbevölkerung durch Polizeibeamte auf. Ein russisches Gericht hatte im Juni die Schließung der Seite angeordnet, da sie „extremistische Ansichten" verbreite. Chefredakteurin Rosa Malgowa kündigte vor einem Monat an, politisches Asyl in Frankreich beantragen zu wollen. Dennoch eröffnete Jewlojew seine Seite wieder, jedoch unter neuem Namen.

Die Organisation 'Reporter ohne Grenzen' zeigte sich über den Tod des Journalisten bestürzt. Jewlojew habe wiederholt seinen Mut und seine Entschlossenheit unter Beweis gestellt, unabhängige Informationen über Inguschetien zu liefern. Dabei habe er sich auch nicht von Drohungen beirren lassen, hieß es in einer Mitteilung. Der urissche Bürgerrechtler Ljudmila von der Moskauer Helsinki-Gruppe sprach von einem „enormen Verlust".

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Die russische Teilrepublik Inguschetien grenzt an die abtrünnige Provinz Tschetschenien und ist überwiegend von Muslimen bewohnt. Separatisten kämpfen bereits seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit Inguschetiens und liefern sich immer wieder Schussgefechte mit russischen Soldaten. (fr)



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