Der Konflikt im Gazastreifen weitet sich aus. Die israelische Luftwaffe hat auch am Morgen ihre Operation 'Gegossenes Blei' fortgesetzt. Die Zahl der Toten beläuft sich mittlerweile auf über 300. Die israelische Regierung schließt auch eine Bodenoffensive nicht mehr aus.
Der israelische Rundfunk teilte mit, in der Nacht habe die Luftwaffe etwa 40 Angriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas geflogen. Dabei wurde unter anderem ein Waffenlager vernichtet. Nach Angaben der Hamas sei auch die Islamische Universität in Gaza bombadiert und ein Gebäude mit Laboren beschossen worden. Die Universität gilt als Hochburg der radikal-islamischen Bewegung. Augenzeugen berichteten von sechs Angriffen und sprachen von vier riesigen Explosionen in der Universität von Gaza. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte die Luftoffensive. Die Einrichtung sei von der Hamas zur Entwicklung von Waffen und Sprengstoffen benutzt worden.
Außerdem wurde das Gebäude neben dem Haus von Hamas-Führer Ismail Hanijah in einem Flüchtlingslager nahe Gaza bombardiert. Hanija hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch nicht in dem Gebäude auf. Kurz vor Mitternacht kamen zudem in Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen zwei palästinensische Zivilisten bei einem Luftangriff ums Leben, vier wurden verletzt. Seit Beginn der israelischen Großoffensvie am Samstag wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 300 Palästinenser getötet, über 1000 Menschen verletzt.
Es handelt sich damit um die schwersten Luftangriffe auf den Gazastreifen seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Israelischen Medien zufolge soll sich unter den Verletzten auch der vor zweieinhalb Jahren verschleppte israelische Soldat Gilad Schalit befinden. Ein Kommando unter Hamas-Leitung hatte Schalit am 25. Juni 2006 in den Gazastreifen entführt. Verhandlungen über seine Freilassung verliefen bislang erfolglos. Israelische Sicherheitskreise wiesen die mutmaßliche Verletzung des israelischen Soldaten allerdings als unglaubwürdig zurück. Nur ein unverletzter und am Leben befindlicher Schalit sei eine „Trumpfkarte" für die Hamas.
Israel beschoss zudem den Küstenstreifen vom Meer aus. Nach Aussage eines Vertreters der radikal-islamischen Gruppe hätten Marineschiffe Hamas-Ziele im Hafen von Gaza ins Visier genommen. Nach den 300 Luftangriffen seit Samstag und der mutmaßlichen Marineaktion drohte Israel zusätzlich mit einer Bodenoffensive, um den ständigen Raketenbeschuss seiner Grenzorte aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Seit dem Ende des Waffenstillstands am 19. Dezember war Israel wieder verstärkt unter Beschuss der Hamas geraten.
Auf Anweisung des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak sollen am Montag jedoch als Zeichen des humanen Willens 100 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und humanitären Hilfsgütern in den Gazastreifen durchgelassen werden. Außerdem solle Treibstoff und Gas zum Kochen und Heizen über eine Pipeline in das Gebiet transportiert werden, wie israelische Medien meldeten.
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UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Regierung in Jerusalem aufgerufen, die Grenzen für den Transport dringend notwendiger Hilfsgüter zu öffnen. Zudem schaltete der UN-Generalsekretär das Nahost-Quartett ein. Ban habe mit den übrigen Partnern der Vermittlungsgruppe telefoniert, teilten die Vereinten Nationen am Sonntag in New York mit. Der Südkoreaner hatte zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen. (sk)