01_aktion_300x300
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in 'Twilight Eclipse': Ewiger Treueschwur
Highlights der Woche (KW 20)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteItemsWatchesWEITER BANGEN UM GILAD SCHALIT

30.06.2008WEITER BANGEN UM GILAD SCHALIT

Makabrer Deal: Israel tauscht Top-Terroristen gegen zwei Tote

Das israelische Kabinett hat am gestrigen Sonntag mit großer Mehrheit einem Gefangenenaustausch mit der libanesischen Hisbollah zugestimmt. Israel lässt für die Rückgabe von zwei verschleppten Soldaten vier libanesische Gefangene frei und überstellt die Leichen von etwa zehn Hisbollah-Kämpfern. Unter den Freigelassenen befindet sich unter anderem der Top-Terrorist Samir Kuntar. Nach Angaben von Ministerpräsident Ehud Olmert sind die beiden Soldaten jedoch schon tot.

Die Entführung der Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser hatte im Sommer 2006 den 34 Tage währenden Libanon-Krieg ausgelöst, in dessen Verlauf mehr als 1.200 Libanesen und 157 Israelis starben. Die Hisbollah hatte keine Angaben mehr über den Gesundheitszustand von Regev und Goldwasser gemacht nachdem sie die beiden Soldaten verschleppt hatte

Mit der Zeit schwand jede Hoffung, dass Regev und Goldwasser noch am Leben seien. Erst am gestrigen Sonntag während der Kabinettssitzung erklärte Olmert die beiden Armeeangehörigen offiziell für tot. „Soweit wir wissen, sind die Soldaten Regev und Goldwasser nicht am Leben."

Israel zahlt nun einen hohen Preis für die Überstellung der beiden Leichen. Das Land folgt dem Ehrenkodex, wonach Soldaten tot oder lebendig um jeden Preis nach Hause geholt werden müssen. Der Wert eines Soldaten in einem Staat, in dem ausnahmslos jeder Militärdienst leisten muss, ist so hoch, dass Israel dafür sogar einen „Sieg" der Hisbollah in Kauf nimmt.

Der nun beschlossene Austausch sieht zwei Phasen vor. In einem ersten Schritt lässt Israel vier Hisbollah-Kämpfer frei, darunter den Top-Terroristen Samir Kuntar, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt und seit 28 Jahren in israelischer Haft sitzt. Kuntar war 1979 mit einem Kommandotrupp per Boot nach Israel eingedrungen und hatte dort einen Israeli, dessen vierjährige Tochter und zwei Polizisten getötet.

In der ersten Phase händigt Israel außerdem die Leichen von Hisbollah-Kämpfern aus und übergibt der Gegenseite Karten der von israelischen Soldaten im Südlibanon angelegten Minenfelder. Die Hisbollah wird Israel im Gegenzug die Überreste der beiden Verschleppten übergeben sowie Informationen zum Schicksal des 1986 über dem Libanon abgeschossenen und seitdem als vermisst geltenden Kampfjet-Piloten Ron Arad preisgeben.

Wie die zweite Phase des vom Bundesnachrichtendienst ausgehandelten Deals aussieht, ist noch unklar. Möglicherweise wird Israel mehrere Dutzend palästinensischer Kämpfer aus den Gefängnissen entlassen. Allerdings möchte die israelische Regierung möglichst viel Zeit zwischen die beiden Teile des Austausches bringen, um der Hisbollah nicht einen allzu großen Propaganda-Sieg zu ermöglichen.

Die libanesische Widerstandorganisation nahm den Deal mit großer Genugtuung auf. Der Handel sei Beweis für die Stärke der Hisbollah, erklärte ein Sprecher im Fernsehsender al-Manar. Die Familie Samir Kuntars sprach von einem Sieg für die „Partei Gottes".

Verwandte Artikel

Unterdessen bemüht sich Israel um die Freilassung des von der Hamas entführten Soldaten Gilad Schalit. Schalit hat seinen Eltern Briefe und eine Tonbandaufnahme geschickt, weswegen die israelische Regierung davon ausgeht, dass der Soldat noch am Leben ist. (vd)

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (0)