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John McCain plädiert nun auch für Wechsel in Washington

14.10.2008DEMOKRAT UM ZEHN LÄNGEN VORNE

John McCain verärgert mit Attacken auf Barack Obama auch die eigenen Reihen

Nur noch drei Wochen dauert es, dann werden die USA einen neuen Präsidenten haben. Dass dieser Barack Obama heißt und nicht John McCain, ist nach derzeitigen Umfragen alles andere als unwahrscheinlich. Der Republikaner McCain weiß, dass die Stimmung im Land derzeit für seinen Kontrahenten ist, und hat in den vergangenen Wochen einen dementsprechend harten Wahlkampf geführt. Die vielen persönlichen Attacken auf den Gegner sorgten jedoch auch für viel Kritik aus den eigenen Reihen.

Auf den Wahlveranstaltungen McCains kochten in den vergangenen Tagen immer öfter die Emotionen über. Aus dem Publikum waren Zurufe wie „Terrorist", „Lügner" oder „Runter mit seinem Kopf!" zu hören, wenn es um Barack Obama ging. Bei einer Kundgebung in Florida soll ein Zuschauer sogar gerufen haben: „Tötet ihn!" Deswegen hat der Geheimdienst, der mit der Sicherheit der beiden Präsidentschaftsanwärter betraut ist, mittlerweile Ermittlungen aufgenommen, um herauszufinden, ob die Bemerkung gezielt gegen Obama gerichtet war.

John McCain, der mit abfälligen Bemerkungen über seinen Gegner zuletzt selber nicht gespart hatte, sah sich daraufhin veranlasst, Obama in Schutz zu nehmen. „Ich möchte US-Präsident werden und will nicht, dass es Obama wird. Aber ich muss Ihnen sagen, Obama ist eine anständige Person, und sie müssen keine Angst vor ihm als Präsidenten haben", erklärte der Republikaner, versäumte es jedoch, zu betonen, dass sein Gegner kein Terrorist ist und kein Muslim, wie viele erzkonservative Republikaner immer wieder behaupten.

Die Strategie von McCain und seiner Vize-Kandidatin Sarah Palin in den letzten Wochen war, Obama als unerfahrenen Politiker hinzustellen, der in dieser schwierigen Zeit die falsche Wahl für Amerika sei. Außerdem streute das republikanische Wahlkampfteam ein paar Angriffe auf den Charakter des Senators aus Illinois ein. „Barack Obama: Gefährlich, unehrlich, heuchlerisch, respektlos", heißt es in einem Fernsehspot.

Kein Wunder also, dass die Stimmung aufgeheizt ist. Obama hielt sich vor dem letzten TV-Duell der beiden Kandidaten am morgigen Mittwoch mit persönlichen Angriffen auf McCain taktisch klugerweise zurück. Wohl auch deshalb erlebt der 46-Jährige derzeit einen Aufschwung in den Umfragen. Neueste Erhebungen sehen Obama um bis zu zehn Prozentpunkte vor McCain. Obwohl der aggressive Wahlkampf des Republikaners womöglich gut für die Demokraten ist, forderte Obamas Vize-Kandidat Joe Biden ein Abkühlen der aufgeheizten Stimmung. „Man erlebt da draußen derzeit diese Aufhetzung", beklagte sich Biden. „Ich glaube, das ist ein wenig gefährlich".

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Diese Ansicht hat sich mittlerweile auch in den Reihen der Republikaner durchgesetzt. Der republikanische Ex-Gouverneur von Michigan, William Milliken, beteuerte gegenüber der Tageszeitung 'Grand Rapid Press': „Das ist nicht der John McCain, den ich einmal unterstützt habe. Ich bin enttäuscht über diesen Unterton und die persönlichen Angriffe." Der konservative Kolumnist William Kristol machte McCains Wahlkampfteam für die Attacken unterhalb der Gürtellinie verantwortlich, und forderte den Präsidentschaftskandidaten auf, das Team zu feuern. „Der McCain-Wahlkampf funktioniert kaum mehr, seine Kombination aus strategischer Zusammenhangslosigkeit und organisatorischer Inkompetenz ist giftig." Außerdem bleiben den Republikanern nur noch drei Wochen Zeit, das Ruder herumzureißen. Doch daran zu glauben, fällt momentan selbst der Basis schwer. (mre)

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