Der Ton wird rauer: Im zweiten Fernsehduell der beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain griff der 72-jährige Republikaner seinen demokratischen Mitbewerber scharf an. Obama blieb gelassen - und dürfte damit auch die zweite Runde des dreiteiligen Rededuells für sich entschieden haben.
Zur Begrüßung umarmten sich die beiden Kontrahenten noch, aber dann ging es gleich zur Sache. Moderator Tom Brokaw brachte sofort die internationale Finanzkrise zur Sprache. Obama sprach von der "schwersten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise" Ende der 1920er Jahre und erklärte: -Dies ist das endgültige Urteil über die gescheiterte Wirtschaftspolitik der letzten acht Jahre". Präsident Bush hätte geglaubt, durch Deregulierung der Wirtschaft käme der Wohlstand von selbst. "Das hat allerdings nicht funktioniert", so Obama.
Der Senator aus Illinois betonte immer wieder, sein Mitbewerber McCain stünde für exakt dieselbe Politik wie sein Parteifreund Bush. Außerdem benötigten nicht nur die Akteure an der Wall Street, sondern auch die einfachen Arbeitnehmer ein Rettungspaket.
McCain hingegen griff Obama dafür an, in seiner Zeit als Senator immer wieder für Steuererhöhungen und gegen Kürzungen votiert zu haben. McCain dagegen habe einen Plan und wisse, was zu tun ist. Der Senator aus Arizona forderte, dass der Staat alle faulen Hypotheken aufkaufen solle, damit Hausbesitzer sich keine Sorgen um ihren Grund und Boden machen müssen.
Auch beim Thema Außenpolitik ging es hoch her zwischen den beiden Kontrahenten. McCain warf Obama vor, über keinerlei außenpolitische Erfahrung zu verfügen. Die Forderung nach einem Truppenabzug aus dem Irak sei töricht. Außerdem seien Obamas Worte in Richtung der pakistanischen Regierung unbedacht gewesen und hätten die Verbündeten in Islamabad nur verärgert. Obama hatte frei nach dem ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt gesagt, die USA müssten "sanft reden, aber einen großen Knüppel tragen".
Auf das Thema Russland angesprochen, gab sich McCain als Hardliner. "Ich habe in Putins Augen geschaut und drei Buchstaben gesehen: K-G-B." Russland träume von der Wiederauferstehung der Sowjetunion und habe dies mit dem "Angriff auf Georgien" deutlich demonstriert, so McCain.
Obama hingegen forderte, die amerikanische Außenpolitik müsse proaktiver werden. Es genüge nicht, immer nur auf außenpolitische Entwicklungen zu reagieren, vielmehr müssten diese antizipiert werden. Der 47-Jährige wies außerdem McCains Vorwurf zurück, Pakistan gedroht zu haben. Im Gegenzug hielt Obama seinem Kontrahenten ein Video vor, das vor ungefähr einem Jahr im Internet aufgetaucht war. In diesem singt McCain zu einer Melodie der Beach Boys: "Bomb, bomb, bomb Iran". Außerdem habe der republikanische Präsidentschaftsbewerber erst unlängst die Vernichtung Nordkoreas gefordert.
Im Hinblick auf den Truppenabzug aus dem Irak sagte Obama, der Krieg sei "ein großer Fehler und eine kostspielige Beurteilung" gewesen. Der Irak kostet die USA monatlich zehn Milliarden Dollar - Geld, das man jetzt dringend für die Sanierung des Finanzsystems bräuchte, so Obama.
Insgesamt gesehen versuchte McCain immer wieder, sich mit scharfen persönlichen Attacken auf den Senator aus Illinois zu profitieren. Bereits im Vorfeld kündigte der Republikaner an, -die Handschuhe ausziehen zu wollen. Doch der 72-Jährige wirkte nervös, verhaspelte sich immer wieder bei seinen scheinbar auswendig gelernten Texten. Seine Stimme war leise und dünn. McCain wollte sich als volksnah und voller Tatendrang inszenieren, doch der Funke sprang nicht über.
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Sein demokratischer Konkurrent hingegen wirkte souverän und eloquent. Ganz staatsmännisch ließ Obama die scharfen Angriffe des Republikaners über sich ergehen, um dann selbst mit feinen Spitzen zurückzuschlagen. Die ersten Blitz-Umfragen der US-Medien sahen den Demokraten auch beinahe einmütig als Sieger des TV-Duells. Obama dürfte damit seinen Vorsprung vor McCain weiter ausgebaut haben. Eine Chance haben die Republikaner noch, um Boden gut zu machen: Das dritte und letzte TV-Duell findet kommenden Mittwoch statt.