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15.10.2009REGIMETERROR MIT FOLGEN

Iran: Tochter von Ahmadineschad-Berater stellt Antrag auf Asyl in Deutschland

Angst vor der Verhaftung in der Heimat: Tochter von Ahmadineschad-Berater beantragt politisches Asyl in Deutschland. Die iranische Regisseurin Narges Kalhor hat am Dienstag nach der Teilnahme an einem Filmfestival in Nürnberg politisches Asyl beantragt. Der Beitrag der jungen Filmemacherin war regimekritisch – er ist an der Novelle Franz Kakas 'In der Strafkolonie' angelehnt und beschäftigt sich mit einer tödlichen Bestrafungs-Maschine als Metapher für Folter im iranischen Strafvollzug.

Kurz vor ihrem Rückflug in den Iran rief ihre Schwester sie an und warnte sie laut der Onlineausgabe der 'Welt': "Sie fragen, wo du bist. Es ist besser, du bleibst in Deutschland."

Das Regime in Teheran hätte via Internet von ihrer Teilnahme am „Filmfestival der Menschenrechte" in Nürnberg erfahren. Kalhor hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Nachricht ihrer Beteiligung „im Internet so weit verbreiten würde". Schließlich, so erklärte sie in der Onlineausgabe der „Welt", handele es sich um ein „kleines Festival" in einer „kleinen Stadt". Sie habe daran teilgenommen, um Kontakte zu knüpfen. „Das ist wichtig für mich als Filmemacherin."

„Noch am Nachmittag habe ich in Deutschland Asyl beantragt", teilte die Sympathisantin der iranischen Reformbewegung in einem Interview mit der „Financial Times Deutschland" mit. Die Frau befindet sich inzwischen in einem Asylbewerberheim.

Der Fall ist für das Regime in Teheran deshalb so brisant, weil Mehdi Kalhor, ihr Vater, der Berater von Mahmud Ahmadineschad in den Bereichen Kultur und Medien ist. Nach Informationen aus Teheran gilt er als engster Vertrauter des iranischen Präsidenten. Mehdi Kalhor bestätigte den Asylantrag seiner Tochter und gab an, nicht zu wissen, warum sie gestellt habe. Er habe sie nach der Scheidung von seiner Frau seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Seine Tochter sei von den "Feinden des Landes" für Propagandazwecke ausgenutzt worden, sagte Kalhor. Er habe ihr geraten, "nicht den Weg zu nehmen, in dem es kein Zurück mehr gibt".

Die 25-jährige Kalhor drehte den zehnminütigen Kurzfilm „Die Egge" im vergangenen Jahr und zeichnete für Drehbuch und Regie verantwortlich. Die Egge wird in dem Film dazu benutzt, um Gefangenen in einem düsteren Kellergewölbe ihre Vergehen in den Bauch zu ritzen. Am Ende der Tortur steht der Tod. Ein Recht auf Verteidigung gibt es nicht, das Urteil ist unfehlbar. Im Iran konnte Kalhor ihren Film noch nicht zeigen.

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"Ich habe den Film in einem türkischen Bad gedreht, das ich zuvor in eine Folterkammer verwandelt hatte", sagte Kalhor der „Financial Times Deutschland". "Der Film spiegelt unsere seelische Situation im Iran wider, ich hoffe, dass die Zuschauer Parallelen erkennen." (jka)

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