Am heutigen Dienstag haben die amerikanischen Wähler zum letzten Mal die Möglichkeit, die Bestimmung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu beeinflussen. Sollte nach den Primaries in Pennsylvania noch immer kein Kandidat feststehen, haben die 'Superdelegates' das letzte Wort. Der Ausgang der Vorwahl in dem traditionell wankelmütigen Staat ist höchst unsicher. Hillary Clinton hat zwar ein paar Asse im Ärmel, aber auch Rivale Barack Obama hat durchaus Chancen, die Vorwahlen zu gewinnen.
Um das Steuer noch herumzureißen benötigt die landesweit ziemlich abgeschlagene ehemalige First Lady einen Sieg mit mindestens zehn Punkten Vorsprung vor Obama. Sollte Hillary Clinton in Pennsylvania also einen Erdrutschsieg wie schon in Ohio hinlegen, hätte sie noch eine Chance auf das Präsidentenamt. Ein nur geringer Vorsprung oder gar ein Sieg Obamas wäre das Aus für die ehemalige First Lady - zu groß ist der Vorsprung, den sich ihr Rivale in den vergangenen Wahlen gesichert hat. Die Analysten sind sich indessen alles andere als einig, welcher der beiden Demokraten in Pennsylvania das Rennen machen wird. Manche Umfragen sehen Clintons Vorsprung in dem Bundesstaat schrumpfen, für andere hat Obama eine sichere Mehrheit. Eine Erhebung von Survey USA prognostiziert Clinton dagegen einen Vorsprung von enormen 18 Prozentpunkten auf den auf Wandel setzenden Obama.
Pennsylvania ist ein 'Swing'-State, der nicht wie andere amerikanische Bundesstaaten traditionell die Demokraten oder Republikaner wählt, sondern immer wieder seine Präferenz ändert. Ebenso schwer ist es einzuschätzen, ob hier eher Obamas frischer Wind oder Hillarys Solidität punkten wird. Die Voraussetzungen in der ehemaligen Wiege des amerikanischen Industrialismus sind ebenso wie die Wählerschaft sehr ambivalent: Pennsylvania verfügt über einige der besten Universitäten des Landes, auf der anderen Seite hat das School Board in vielen Schulen den 'Intelligent Design'-Ansatz der Kreationisten im Biologieunterricht gleichberechtigt neben die Evolutionslehre gestellt. Etwa 30 Prozent aller Haushalte sind Mitglied in einer Gewerkschaft, allerdings gibt es ebenso einen starken liberalen Mittelstand. Im urbanen Ballungsraum Philadelphia sieht es wiederum vollkommen anders aus, als auf dem flachen Land.
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Auf der einen Seite ist das - wie alle Bundesstaaten des Industrie-Gürtels - von der Rezession gebeutelte Pennsylvania Heimat vieler Stammwähler Clintons. Die in hoher Zahl ansässigen weißen „blue collar" Arbeiter sind „Reagan Demokraten": In wirtschaftlichen Fragen nahe der Position der Demokratischen Partei, in Moralfragen und Sicherheitsangelegenheiten, besonders was die Abtreibungsfrage und die Waffengesetze angeht, aber eher konservativ: klassische Clinton-Wähler eben. Der Altersdurchschnitt in Pennsylvania ist höher als in allen anderen Staaten außer Florida und West Virginia, was der Kampagne der gestandenen Senatorin zudem zu Gute kommt.
Hillary Clinton kann in Pennsylvania außerdem einen Heimvorteil verbuchen: Die ehemalige First Lady verbrachte viele Sommer und Wochenenden bei ihren Großeltern, den Rodhams, die in Scranton, einer kleinen Stadt in Pennsylvania, wohnten. Die familiären Bande der Senatorin nach Pennsylvania sind viel stärker als nach Chicago, wo sie aufwuchs. Die Clintons sind in der Stadt sehr beliebt, die Einwohner begrüßten Hillary mit einem Spruchband auf dem 'Willkommen in der alten Nachbarschaft' zu lesen war. Alte Filmaufnahmen aus Kindestagen, die ein Nachbar im Garten der Großeltern aufgenommen hatte, nutzt Clinton dementsprechend offensiv sogar für ihr Wahlkampfvideo.
Dennoch hat die Senatorin den Staat noch lange nicht in der Tasche. Die wirtschaftliche Situation in Pennsylvania ist nicht so schwarz, wie sie auf den ersten Blick wirkt, und die Hauptstadt Philadelphia hat sich mittlerweile in den Speckgürtel der Ostküste um das Zentrum New York eingegliedert. Die Stadt ist voller Studenten und erfolgreicher junger Menschen, für die Obamas Slogan von Veränderung und Wandel mehr gilt als Clintons Beständigkeit. Auch der Stimmen der vielen Afro-Amerikaner in der Metropole Philadelphia kann sich Obama ziemlich sicher sein. Demnach ist es durchaus möglich, dass Obama die Vorwahlen in Philadelphia für sich gewinnt, denn in der urbanen Region um die Hauptstadt wohnen ausreichend Wähler, die Clintons Vorteil bei der ländlichen Bevölkerung wettmachen könnten.
Noch unentschlossene oder gar republikanische Wähler wird Obama hier jedoch nicht für sich mobilisieren können: Pennsylvania hat ein doppelt geschlossenes Vorwahl-System: Hier können nur Mitglieder der Demokratischen Partei wählen, die sich vor der Wahl registrieren ließen. Die Wahllokale schließen am heutigen Dienstagabend Ortszeit, erste Ergebnisse wird es also erst in der Nacht zum Mittwoch nach MEZ geben.