Bei ihrer mit Spannung erwarteten Rede auf dem Parteitag der US-Demokraten in Denver hat Hillary Clinton am gestrigen Dienstag ihre Anhänger zur Unterstützung Barack Obamas aufgefordert. Die 60-Jährige, die im Vorwahlkampf gegen Obama den Kürzeren gezogen hatte, schwor ihre Wähler auf die historische Chance ein, einen Demokraten ins Weiße Haus zu schicken. „Wir brauchen nicht noch einmal vier Jahre wie die vergangenen acht Jahre“, betonte Clinton.
In ihrem flammenden Appell an die Seele der US-Demokraten versuchte die Senatorin alles, um ihre Anhänger für ihren ehemaligen Rivalen zu begeistern. „Barack Obama ist mein Kandidat, und er muss unser Präsident werden", rief Clinton der Menschenmenge in Denver zu. Egal, ob die Delegierten in den Vorwahlen für sie selbst oder für Obama gestimmt hätten, „jetzt ist die Zeit gekommen, sich als eine Partei mit einem Ziel zu versammeln", betonte die ehemalige „First Lady". Dieses Ziel lautet selbstverständlich, die Republikaner nach acht Jahren aus dem Weißen Haus zu vertreiben und einen Präsidenten John McCain zu verhindern.
Denn dieser McCain sei laut Clinton nichts weiter als ein „Zwilling" des amtierenden Präsidenten Bush. McCain stehe für „mehr Krieg, weniger Diplomatie" sowie für „mehr wirtschaftlichen Stillstand, weniger Gesundheitsversorgung". Das könne und wolle sie nicht akzeptieren, versicherte Clinton ihren Anhängern. Sie habe nicht „35 Jahre lang in den Schützengräben" der Politik verbracht und die letzten acht Jahre unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush über sich ergehen lassen, um nun noch mehr „ungenügende Führung" durch die Republikaner zu erleiden.
Barack Obama kann die Unterstützung seiner ehemaligen Rivalin gut gebrauchen. Denn trotz der Unzufriedenheit der amerikanischen Bevölkerung mit der Politik des amtierenden Präsidenten Bush konnte der Republikaner McCain zuletzt in Umfragen am Senator aus Illinois vorbeiziehen. Auch Clintons Anhänger stehen noch nicht hundertprozentig hinter Obama, da viele dem ehemaligen Rivalen den hart geführten Vorwahlkampf noch nicht verziehen haben. Die Rede der Senatorin aus New York könnte Obama neuen Auftrieb geben.
Entsprechend dankbar zeigte sich der designierte Präsidentschaftskandidat auch gegenüber der Rede von Hillary Clinton. „Das war eine starke Rede. Ich glaube, sie war hervorragend", ließ der 47-Jährige vernehmen, der selbst nicht vor Ort war, sondern den Auftritt von Montana aus im TV verfolgt hatte.
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Erst am Donnerstag wird Obama selbst auf dem Parteitag erscheinen, um seine als sicher geltende Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten anzunehmen. Dann wird der Senator auch eine mit Spannung erwartete Rede halten, deren Termin geschickt gelegt ist. Denn auf den Tag genau 45 Jahre zuvor hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Kernaussage „Ich habe einen Traum" zu mehr Gleichheit und Toleranz für Schwarze US-Bürger aufrief. Am heutigen Mittwoch wird der ehemalige US-Präsident Bill Clinton eine Rede halten. Dem Ehemann von Obamas ehemaliger Rivalin wird ein gespanntes Verhältnis zum designierten Präsidentschaftskandidaten nachgesagt. Doch wird allgemein erwartet, dass auch der Ex-Präsident über seinen Schatten springen wird und die Demokraten auf einen gemeinsamen Kurs einschwören wird. (mre)