Auf die bereits seit längeren Tagen andauernde israelische Luftoperation „Gegossenes Blei“ und isrealischen Drohungen, mit Bodentruppen in den Gazastreifen einzumarschieren, hat die radikal-islamische Hamas neben ihren Raketenbeschüssen nun auch mit Demonstrationen reagiert. Sie rief ihre Anhänger am heutigen Dienstag zum "Tag des Zorns" auf. Unterdessen hatte sich die EU in einem Treffen mit der israelischen Außenministerin um eine Deeskalation der festgefahrenen Lage bemüht – offenbar umsonst.
Zehntausende Palästinenser haben im Westjordanland, dem Sitz von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und seiner gemäßigten Fatah-Fraktion, gegen den israelischen Großeinsatz im Gazastreifen protestiert. Die radikal-islamische Hamas hatte zuvor zum „Tag des Zorns" gegen die Luftangriffe sowie die israelische Besatzung aufgerufen. Allein in Ramallah waren 3000 Sympathisanten der radikal-islamischen Hamas auf die Straße gegangen. Einzelne Demonstranten riefen unter anderem „Wir opfern uns für Gaza" oder verbrannten israelische Flaggen. Es kam zu vereinzelten Zusammenstößen mit Anhängern der rivalisierenden Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Abbas.
Nach dem Tod der Führungskraft Nisar Rian schwor die Hamas zugleich Vergeltung. Hamas-Sprecher Ismail Radwan kündigte Selbstmordanschläge sowie Angriffe auf israelische Ziele an. Die israelischen Luftangriffe werde die Hamas weder zerbrechen noch dazu bringen, „die weiße Fahne zu hissen". Der Getötete zählte zum engsten Führungszirkel der Hamas und galt als Verbindungsmann zwischen dem politischen und militärischen Flügel der radikalen Palästinenserorganisation.
Derweil ließ sich die israelische Außenministerin Zipi Livni auch von Repräsentanten der EU bezüglich ihres harten Kurses gegenüber der Hamas nicht erweichen und lehten eine von Frankreich geforderte Waffenpause im Gazastreifen ab. Die 58-Jährige war am Neujahrstag nach Paris gereist, um mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Außenminister Bernard Kouchner über die Gaza-Krise zu sprechen. Die Vorsitzende der Kadima-Partei kündigte nach dem Treffen an, Israel werde die Militäroffensive im Gazastreifen so lange weiterführen, bis militante Palästinenser aufhören, den jüdischen Staat mit Raketen zu beschießen. Es sei nicht eine Frage des Zeitplanes, sondern eine Frage der Ziele. Die Frage, ob genug angegriffen worden sei, werde auf Basis täglicher Bewertungen entschieden, so Livni. Die israelische Politikerin betonte weiterhin, ein humanitärer Waffenstillstand im Gazastreifen sei nicht notwendig, weil es keine humanitäre Krise gebe.
Die israelische Luftwaffe hat nach Armeeangaben seit Beginn der Luftangriffe am Samstag mehr als 700 Einsätze geflogen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 422 Menschen getötet und nach Behördeninformationen mindestens 2200 Menschen verletzt. Vier Israelis starben durch Raketen radikaler Palästinenser. Am siebten Kriegstag beschoss die israelische Luftwaffe beschoss nach Angaben einer Armeesprecherin mehr als 20 Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen. Militante Palästinenser feuerten sieben Raketen auf Israel ab.
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Israel will mit seinem Militäreinsatz einen Stopp des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen erreichen. Die militanten Palästinenser wollen Israel mit dem Raketenbeschuss dazu zwingen, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben und alle Grenzübergänge für einen freien Warenverkehr zu öffnen. Israel kündigte eine Bodenoffensive an, sofern weder der diplomatische Druck auf die Hamas noch die Luftangriffe den Raketenbeschuss stoppen könnten. Um den Gazastreifen herum wurden bereits sowohl Panzer als auch Bodentruppen in Stellung gebracht. (sk)