Die Anwälte eines kanadischen Guantanamo-Häftlings haben einen zehnminütigen Ausschnitt eines heimlichen Verhörvideos von 2003 veröffentlicht, das die Befragung des damals sechzehnjährigen Omar Khadr durch kanadische Geheimdienstbeamte im Gefangenenlager dokumentiert. Khadr zeigt darin schluchzend seine Narben als Folgen angeblicher Folter. Der Fall ist für die in Verruf geratenen USA nicht weniger heikel als für Kanadas Regierung, die sich in keinster Weise für ihren Staatsbürger engagierte.
"Hilf mir, töte mich", schrie Omar Khadr - doch sein tränenreiches Flehen schien die Beamten des kanadischen Geheimdienstes vollkommen kalt zu lassen. Ebenso Khadrs Angabe, im Zuge von Folter zu einem falschen Geständnis gezwungen worden zu sein. "Ich kann nichts machen", antwortet der Verhörbeamte im Video, nachdem Khadr um Schutz vor den Amerikanern und seine Rückkehr nach Kanada bittet.
Ein Ausschnitt des insgesamt siebenstündigen Videos soll nun die Weltöffentlichkeit davon überzeugen, dass Khadr in Guantanamo Misshandlungen und Folterungen über sich ergehen lassen musste, beziehungsweise noch immer muss. "Unsere Politik ist es, Insassen menschlich zu behandeln. Khadr ist menschlich behandelt worden", wies ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums die Anschuldigungen indessen kaltschnäuzig zurück.
Angeblich haben US-Regierungsbeamte das Video heimlich gedreht, was die schlechte Qualität der Aufnahmen erklären würde. Anwalt Nathan Whitling zufolge hat ein Gerichtsbeschluss die Veröffentlichung der Aufnahmen inklusive diverser Regierungsdokumente ermöglicht - Damit befanden nicht nur Menschenrechtler die Behandlung Khadrs in Guantanamo als einen Verstoß gegen die Menschenrechte, sondern auch die kanadische Justiz.
Davon ungerührt verkündete Kanadas Premierminister Stephen Harper beim G-8-Gipfel vergangener Woche, er werde sich nicht um die Auslieferung Khadrs durch die US-Regierung bemühen.
Khadrs verstorbener Vater galt als hochrangiges Mitglied der Al Qaida. Sein Sohn soll in einem Camp als Kindersoldat ausgebildet worden sein. Sechs Jahre, nachdem US-Soldaten Omar Khadr im Jahre 2002 im Alter von 15 Jahren in Afghanistan festnahmen, gilt der gebürtige Kanadier noch immer als jüngster Gefangener des verrufenen US-Marinestützpunkts. Laut US-Version hat der damals Minderjährige bei einem Gefecht in Afghanistan eine Granate auf US-Truppen geschleudert und dabei den amerikanischen Oberfeldwebel Christopher Speer getötet.
Mittlerweile ist Khadr der einzige westliche Gefangene, der noch immer in Guantanamo einsitzt. Nach langjähriger Guantanamo-Haft steht Khadr nun im Oktober ein Prozess wegen Mordes und Unterstützung der Terrororganisation Al Kaida Prozess vor einem Sondertribunal der US-Armee bevor. Khadrs Anwälte wollen dort das Verhörvideo einsetzen. Bürgerrechtler bezeichneten die anstehende Verhandlung bereits als abgekartetes Spiel zuungunsten des Gefangenen.
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Seit Jahren hält die US-Regierung nun Hunderte von Terrorverdächtigen in Guantanamo fest - und geriet wegen ihrer Praktiken im Antiterrorkampf zunehmend in Verruf. Im Zuge des heillosen Image-Schadens scheinen die Tage des Guantanamo-Lagers nun zunehmend gezählt. So hatte das US-amerikansiche Supreme Court im Juni über Guantanamo geurteilt, und dortigen Gefangenen das Recht auf ein Haftprüfungsverfahren vor einem unabhängigen Richter zugesprochen. Bislang hatten die USA das Gefängnis außerhalb der Vereinigten Staaten genutzt, um Gefangenen unbehelligt Grundrechte verweigern zu können.