Das Corpus Delicti kam mit Größe 44 auf den scheidenden US-Präsidenten angerast. George W. Bush konnte sich aber gerade noch in Sicherheit bringen, als ein Journalist den 62-Jährigen mit einem Paar Schuhe bewarf. Der kleine Zwischenfall ereignete sich auf einer Pressekonferenz während des Überraschungsbesuchs der amerikanischen Präsidenten im Irak. Bush sicherte Bagdad in einem Sicherheitsabkommen einen Truppenabzug der amerikanischen Kampfeinheiten bis 2011 zu.
Seinen Abschiedsbesuch in Bagdad am Sonntag wird sich der 43. Präsident der Vereinigten Staaten wohl anders vorgestellt haben. Als George W. Bush fünf Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit auf einer Pressekonferenz mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki zusammenkam, rief ein irakischer Fernsehjournalist nach Angaben von US-Medien "Das ist der Abschiedskuss, Du Hund" und warf mit seinen Tretern auf den Noch-US-amerikanischen Regierungschef.
Das Wurfutensil verfehlte Bush nur knapp, weil dieser vorzeitig hinter dem Rednerpult in Deckung gegangen war. Weder der amerikanische noch der irakische Spitzenpolitiker al-Maliki wurden getroffen. US- und irakische Sicherheitsbeamte stürzten sich daraufhin auf den Reporter und warfen den Korrespondenten des Fernsehsenders Al Baghdadija aus dem Konferenzsaal. Der amerikanische Präsident nahm den Vorfall sichtlich gelassen. "Wen es interessiert - es war ein Schuh der Größe zehn (deutsche Größe 44), den er auf mich geworfen hat", scherzte Bush. Er beteuerte, der Zwischenfall habe ihn nicht gestört und er habe sich nicht bedroht gefühlt.
In der arabischen Welt gilt es als Zeichen höchster Verachtung, jemanden mit einem Schuh zu bewerfen. Als US-Soldaten im Jahr 2003 nach der invasion eine Statue von Saddam Hussein vom Sockel hievten, bewarfen viele Einheimische den Blech-Koloss ebenfalls mit ihren Schuhen. Auch die Bezeichnung als "Hund" gilt in der arabischen Welt als niederträchtigste Beleidigung überhaupt: Im Gegensatz zum Westen, wo der Hund als treuester Freund des Menschen gilt, ist das Tier im arabischen Sprachraum als unrein und schmutzig angesehen.
Bush unterzeichnete zudem zusammen mit dem irakischen Regierungschef in Bagdad ein Sicherheitsabkommen, das am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft tritt. Bis Juni 2009 sollen die US-Kampftruppen aus den irakischen Städten abgezogen werden. Bis 2011 soll das gesamte vorderasiatische Land frei von US-Kampfeinheiten sein. „Der Krieg ist noch nicht vorbei", warnte der US-Präsident. Das Dokument sei „nötig für die Sicherheit der USA, die Hoffnungen im Irak und für den Weltfrieden." Das irakische Parlament hatte das Abkommen vor drei Wochen abgesegnet.
Der irakische Regierungschef al-Maliki betonte, dass sein Land in jeglicher Hinsicht Fortschritte mache. Die irakische Regierung hatte alles darangesetzt, um das Sicherheitsabkommen mit den USA noch vor dem Amtsantritt von Bushs Nachfolger Barack Obama zu verabschieden. Zur Zeit befinden sich fast 150.000 amerikanische Soldaten im Irak, mehr als 4.200 GIs fielen seit Kriegsbeginn. Der künftige US-Präsident Barack Obama hatte jüngst angekündigt, innerhalb von 16 Monaten alle US-Truppen aus dem Irak in die Heimat zurückzuholen.
Es war der vierte Irak-Besuch von Bush seit Beginn des Krieges im Frühjahr 2003. Die Visite war unter größter Geheimhaltung des Weißen Hauses geplant worden und beschränkte sich auf nur wenige Stunden. Nach seinem Irakbesuch reiste US-Präsident Bush nach Afghanistan weiter und sprach in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.
„Afghanistan ist ein dramatisch anderes Land als vor acht Jahren. Wir machen hoffnungsvolle Fortschritte", sagte Bush am frühen Montagmorgen. Karsai könne weiterhin auf US-amerikanische Hilfe hoffen: „Genauso, wie sie auf diese Regierung zählen konnten, werden sie auch auf die nächste Regierung zählen können." Der afghanische Präsident erklärte, sein Land wolle nicht für immer von internationaler Hilfe abhängig sein, brauche aber noch für absehbare Zeit Unterstützung aus dem Ausland.
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Rund 31.000 US-amerikanische Soldaten sind derzeit in dem asiatischen Gebirgsland stationiert. Militärische Experten hatten vor kurzer Zeit eine Verstärkung um mindestens 20.000 weitere Soldaten eingefordert. Barack Obama sprach sich jüngst ebenfalls für eine Truppenverstärkung in Afghanistan aus.