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02.02.2009TEHERAN ENTZÜCKT

Erdogan-Eklat: Iran lobt Türkei - Eisige Stimmen aus dem Westen

Der aufsehenerregende Wutanfall des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan am vergangenen Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos ist nicht folgenlos geblieben. Während lobende Stimmen aus dem Iran dem 54-Jährigen den Rücken stärken und den türkischen Politiker für den Friedensnobelpreis vorschlagen, zeigt sich der Westen über die jüngsten Israel-feindlichen Äußerungen empört.

Nachdem der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei der Podiumsdebatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres wegen des umstrittenen Militäreinsatzes im Gazastreifen aneinandergeraten war und wütend die Bühne verlassen hatte, ergriff nun ein iranischer Geistlicher Partei für den 54-Jährigen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna lobte Nasser Makarem Schirasi am Sonntag vor seinen Theologiestudenten Erdogans israelkritische Äußerungen. Für seine Wortwahl und seinen Auftritt habe der türkische Premierminister den Friedensnobelpreis verdient. „Er hat die Zionisten aufgefordert, die besetzten Gebiete zu verlassen", lobte der iranische Ayatollah.

Auch von Seiten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad erntete Erdogan für seinen wütenden Abgang anerkennende Worte. Der 52-Jährige stellte sich am vergangenen Samstag demonstrativ hinter den türkischen Regierungschef: „Er hat das ausgesprochen, was die Türken, die Menschen in der Region und in aller Welt denken. Ich danke Herrn Erdogan für diesen Schritt", zitiert ihn die iranische Nachrichtenagentur Irna. Der türkische Regierungschef habe sich genau so verhalten, wie es sich in jener Situation gehört habe.

Der iranische Präsident warf Israel zudem erneut Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen vor und betonte, die Todesopfer unter den palästinensischen Zivilisten seien durch nichts zu rechtfertigen. Am Wochenende eskalierte die Situation im Gazastreifen erneut, als radikale Palästinenser trotz dem ausgehandelten Waffenstillstand Raketen auf jüdische Ziele abfeuerten.

Derweil beanstandete der türkische Premier in einem Interview mit der ‚Washington Post‘ die von Israel kontrollierten Palästinensergebiete als „Freilichtgefängnis". Zudem kritisierte er die weltweite politische Isolierung der radikal-islamischen Hamas. „Hamas ist als politische Partei bei den Wahlen angetreten. Hätte die ganze Welt ihnen die Chance gegeben, ein politischer Akteur zu werden, wären sie nach dem Wahlsieg vielleicht nicht in diese Situation gekommen. Die Welt hat den politischen Willen des palästinensischen Volkes nicht respektiert", monierte Erdogan. Nach Angaben der ‚Süddeutschen Zeitung‘ war das Interview offensichtlich vor dem Eklat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aufgezeichnet worden.

Demgegenüber verlangte die israelische Außenministerin Zipi Livni am Wochenende von der Türkei, Israels Haltung „zu respektieren". Zuvor war von zahlreichen türkischen Demonstrationen gegen Israel berichtet worden, die teilweise durch Erdogans feindselige Rhetorik der letzten Wochen gegen die israelische Regierung angeheizt worden waren. Unter anderem hatte der 54-Jährige erklärt: „Allahs Strafe wird über Israel kommen". Vor dem Hintergrund der starken türkischen Militärmacht betonte Livni dennoch, die Türkei als einen „strategischen Partner" zu betrachten. Noch sei es möglich, die Beziehungen zu „reparieren". Unterdessen sagte der neue amerikanische Nahost-Beauftragte George Mitchell ein für Sonntag geplantes Treffen mit Erdogan wegen „Terminschwierigkeiten" ab.

Kritische Stimmen gegenüber den umstrittenen Äußerungen häufen sich auch in Deutschland. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder gab in der ‚Bild‘-Zeitung zu Bedenken, dass der Israel-kritische Kurs Erdogans eine Belastung für die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei seien. „Solange Erdogan in der Türkei eine derart Israel-feindliche Linie verfolgt, müssen wir prüfen, ob die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei ausgesetzt oder abgebrochen werden müssen." Der Vorsitzende der deutsch-israelischen Gruppe im Bundestag, Jerzy Montag, verwies auf die nun unglaubwürdige Vermittlerrolle Ankaras im Nahost-Friedensprozess. „Worte, wie sie Erdogan in Davos gewählt hat, passen nicht zu einer verantwortlichen, vermittelnden Politik", tadelte der Grünen-Politiker.

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Der türkische Premier hatte am Donnerstagabend nach einer Auseinandersetzung mit Israels Staatspräsident Schimon Peres vorzeitig den Weltwirtschaftsgipfel in Davos verlassen und gedroht, nie wieder in den schweizerischen Skiort anzureisen. Peres hatte in einer Ansprache die jüngste israelische Offensive im Gazastreifen in einer emotionalen Rede verteidigt. Erdogan verurteilte das militärische Vorgehen daraufhin scharf, und warf seinem Gegenüber vor: „Ihr versteht etwas vom Töten." Als der Streit zu eskalieren drohte und der Moderator Erdogan das Wort abschnitt, beschwerte sich dieser: „Sie haben dem Präsidenten 25 Minuten Redezeit gewährt und mir keine halbe Minute." Anschließend verließ der türkische Politiker wütend das Podium. Bei seiner Ankunft in Istanbul wurde er von 5:000 Sympathisanten heldenhaft empfangen und als „Eroberer von Davos" gefeiert. (sk)

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