Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hat am gestrigen Mittwoch in Rom gewarnt, dass das 21. Jahrhundert zum Hungerjahrhundert zu werden droht. Die Zahl der unterernährten Menschen hat zum ersten Mal im Juni 2009 die Marke von einer Milliarde durchbrochen, erklärt FAO in einem Bericht, den sie in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm herausgegeben wurde.
Statistisch gesehen bekommt jeder sechste Mensch auf der Erde nicht genug zum Essen. Vor einem Jahr waren es noch 963 Millionen, so der Bericht, der anlässlich des Welternährungstages am letzten Freitag veröffentlicht wurde. Das sei der höchste Wert seit 1970. Der traurige Rekord sei vor allem eine Folge der Weltwirtschaftskrise, aber auch Schuld der Menschheit selbst, so die FAO in dem Bericht. Zudem erklärt die Organisation: "Die Zunahme liegt nicht an schlechten Ernten, sondern daran, dass hohe Lebensmittelpreise, gesunkene Einkommen und zunehmende Arbeitslosigkeit den Zugang zu Nahrung für die Ärmsten erschwert haben."
"Die gegenwärtige Krise ist beispiellos", klagt der Generalsekretär der FAO, Jacques Diouf. Als weitere Ursache für den Welthunger nennt die FAO die stärkere Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft verglichen mit vor 20 Jahren. Dadurch werden diese Länder anfälliger für Fehlentwicklungen auf den internationalen Märkten.
Den Angaben der Welthungerhilfe zufolge ist die Situation in Asien, in Afrika und im Pazifikraum, also südlich des Äquators, am schlimmsten. Demnach hungern drei Viertel der Bevölkerung in der Republik Kongo, gefolgt von Burundi, Eritrea, Sierra Leone, dem Tschad und Äthiopien. Die höchste absolute Zahl an Unterernährten (230 Millionen) weist aber der 1,02-Milliarden-Einwohner-Staat Indien auf. Auch in den Industrieländern zählt die FAO noch 15 Millionen Betroffene dazu.
"Besonders betroffen von Hunger und Armut sind Kinder und Frauen, aber auch Menschen, die auf dem Land leben." Deshalb sei es besonders wichtig, mit der Entwicklungshilfe bei kleinbäuerlichen Strukturen anzusetzen, meinte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, am Mittwoch auf der Pressekonferenz der Welthungerhilfe in Berlin. Dabei appellierte Dieckmann sogar an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Themen Armutsbekämpfung und ländliche Entwicklung in den Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit zu stellen.
Mehr als neun Milliarden Menschen werden einer Prognose zufolge im Jahr 2050 auf der Erde leben. Um diese Anzahl Menschen zu ernähren, muss die Nahrungsmittelproduktion weltweit noch um 70 Prozent steigen, gab FAO-Generalsekretär Diouf zu protokoll. Dabei fordert er die Weltgemeinschaft auf, den Kampf gegen den Hunger nicht aufzugeben. Die wirtschaftlichen und technischen Mittel seien vorhanden, allerdings fehle oftmals der politische Wille, argumentierte Diouf.
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"Politische Verantwortliche sind sehr energisch gegen die Finanz- und Wirtschaftkrise vorgegangen. Innerhalb von kurzer Zeit haben sie Milliarden Dollar bereit gestellt. Genau dasselbe Vorgehen ist nun nötig, um Hunger und Armut bekämpfen", zitierte der Radio-Sender 'B5 Aktuell' Diouf am gestrigen Mittwochabend.