Die Earth Hour ließ das elektrische Licht in 88 Ländern und 3929 Städten am gestrigen Samstag für eine Stunde ausgehen. Ein Mega-Event war geschaffen: Tausende säumten mit Kerzen bewaffnet die Straße. Doch momentan verharrt die Bewegung noch in reiner Symbolik.
Der World Fund of Nature (WWF) ist zuversichtlich, 1 Milliarde Menschen mit der Aktion, die es schon seit 2007 gibt, erreicht zu haben. Zunächst begann das Mega-Event vor zwei Jahren in Sydney. 2008 nahmen bereits knapp 50 Millionen Menschen in 371 Städten in 35 Ländern statt.
In diesem Jahr sollte die größte Aktion für das Weltklima 1 Milliarde Menschen aktivieren, um Druck auf die Politik auszuüben. Im Dezember diesen Jahres findet die Weltklimakonferenz in Kopenhagen statt, auf der ein Nachfolgemodell für Kyoto auf den Weg gebracht werden soll.
Begonnen hat die Earth Hour am gestrigen Samstag um 8.30 Uhr auf den neuseeländischen Chatham Inseln. Im Laufe des Tages hat die dunkle Stunde für die Erde sich dann entsprechend der Zeitverschiebung stets von 20.30 Uhr bis 21.30 Uhr Ortszeit über den gesamten Planeten vorgearbeitet. Den Schlusspunkt setzte die Mega-Stadt Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada. Dort gingen in mehreren Spielcasinos die Lichter aus.
Andere bekannte Teilnehmerstädte waren die europäischen Hauptstädte London, Paris, Rom, Kopenhagen, Brüssel, Moskau, Istanbul, Athen und - wohl um an jenen deutschen Witze von der dauerhaften Dunkelheit in der finnischen Hauptsstadt zu erinnen - Helsinki. Weltweit machten Metropolen wie Peking, Los Angeles, Rio de Janeiro, Kapstadt, Manila und Sydney.
Die bekanntesten Bauwerke, die ihr Licht für eine Stunde ausgeschaltet hatten, waren der Eiffelturm in Paris, das Londoner Riesenrad, die Christusstatue in Rio, die Alhambra in Granada, das Opernhaus in Sydney, die Pyramiden in Ägypten, die Akropolis in Athen.
Deutschland war ganz anders als beispielsweise Neuseeland (44 Städte nahmen teil) mit nur einer Stadt vertreten: Hamburg. Dafür war in diesem Jahr zum ersten Mal China, das international gegen eine starre Regelung für den Klimaschutz steht, teil. In Peking wurde das Licht an den bekanntesten Olympiastätten des vergangenen Jahres, dem ‚Vogelnest‘-Stadion und dem ‚Wasserwürfel‘ abgeschaltet.
Generell war Asien weit vorne: Auch die Millionenmetropole Shanghai schaltete das Licht aus, Hongkong verzichtete auf seine ‚Symphonie des Lichts‘, bei der Laser- und Lichtquellen von 44 Gebäuden aus die Victoria-Bucht illuminieren. In Kuala Lumpur verloschen die Petronas-Zwillingstürme, eine der höchsten Gebäude der Welt.
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon unterstütze in einer Internetbotschaft die Aktion des WWF und beglückwünschte die Teilnehmer: „Die Earth Hour ist eine Möglichkeit für die Bürger der Welt, eine klare Botschaft zu senden." Der Earth Hour-Direktor David Ridley erklärte die Aktion zu einem vollen Erfolg.
„Eigentlich haben wir wegen der Wirtschaftskrise mit weniger Teilnehmern gerechnet, es ist aber das genaue Gegenteil eingetreten." Der Grund dafür ist Ridley zufolge die hoffnungsvolle Botschaft der Aktion: „Earth Hour war immer eine positive Kampagne; das waren Straßenfeste und nicht Straßenproteste, es ist die Idee der Hoffnung und nicht der Verzweiflung", sagte Ridley. „Und ich denke, das ist dieses Jahr ungeheuer wichtig, weil es sonst so viel Verzweiflung gibt."
Damit grenzte sich Ridley zugleich von den ebenfalls gestern stattfindenden europaweiten Protesten gegen den G20-Gipfel ab, die nicht überall friedlich blieben. Das war bei der Earth Hour anders: Hunderte Menschen standen mit Kerzen auf den Straßen und feierten gemeinsam die Umwelt. Doch bislang ist mehr als bloße Symbolik noch nicht herausgekommen, wohl der Hauptgrund warum in Deutschland nur eine Großstadt mitgemacht hat.
Verwandte Artikel
Dennoch, in den zahlreichen Blogs quer über den Globus verteilt, zählt ohnehin nur die besondere Stimmung: Demzufolge trieben vor allem die romantischen und ungewohnt dunklen Bilder der Städte und die Hoffnung auf eine saubere Welt die Teilnehmer an. (cai)