US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat zu Beginn seiner Auslandsreise die Verlagerung von Truppen aus dem Irak nach Afghanistan gefordert. In einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CBS sagte Obama, angesichts der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan müsse sofort etwas unternommen werden. „Wir müssen verstehen, dass die Situation prekär und akut ist. Ich glaube, dass hier der Hauptfokus, die Hauptfront im Kampf gegen den Terrorismus sein muss.“
Obama traf am gestrigen Sonntag zusammen mit seinen Senatskollegen Jack Reid und Chuck Hagel den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Nach Angaben der Regierung in Kabul ging es in den Gesprächen hauptsächlich um die Sicherheitslage in Afghanistan und den weltweiten Kampf gegen Terrorismus, sowie um den Ausbau der bilateralen Beziehungen beider Länder. Weitere Details gab Kabul allerdings nicht bekannt.
Im Vorfeld zu den Gesprächen mit Karsai hatte sich Obama von Jeffrey Schloesser, Kommandeur der NATO-geführten Truppen, über die Lage in Ost-Afghanistan informieren lassen. Vor seinem Abflug nach Afghanistan hatte der Senator von Illinois bekanntgegeben, er wolle erfahren was in Afghanistan und dem Irak die dringlichsten Probleme seien. Außerdem wolle er sich bei den Soldaten für „deren heldenhafte Arbeit bedanken.“ Obama hatte darüber hinaus erklärt, im Falle seines Wahlsieges im kommenden November etwa 7.000 zusätzliche Soldaten in die Region zu senden. Der Regierung des amtierenden Präsidenten Bush warf Obama vor, im Vergleich zum Irak-Einsatz nicht ausreichend Aufmerksamkeit für den Einsatz in Afghanistan aufzubringen.
Im Rahmen seiner Auslandsreise ist Obama am heutigen Montag im Irak eingetroffen. Im Vorfeld hatte der Präsidentschaftsbewerber erklärt, die Truppen dort binnen 16 Monaten abziehen zu wollen. Iraks Ministerpräsident Nuri al- Maliki begrüßte dieses Vorhaben. „Der US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama spricht von 16 Monaten. Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten“, so Maliki in einem Interview mit dem ‚Spielgel‘. Ein Sprecher des Ministerpräsidenten dementierte dies jedoch am gestrigen Sonntag, die Aussagen seien falsch übersetzt worden. Sie sollten nicht als Unterstützung für irgendeinen US-Präsidentschaftskandidaten gewertet werden.
Obamas Kontrahent im Wahlkampf, John McCain, kritisierte unterdessen Obama für die Verkündung seines Vorhabens im Vorfeld seiner Reise. „Offensichtlich ist er selbstsicher genug, dass er keine Fakten finden wird, die seine Meinung oder seine Strategie ändern könnten – bemerkenswert.“ Auch er selbst wolle zwar zusätzliche Truppen in die Region entsenden, mache das aber von deren Verfügbarkeit und Gesprächen mit der NATO abhängig.
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Die Auslandreise Obamas führt den 46-Jährigen neben Afghanistan und dem Irak auch nach Jordanien, Israel, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Durch die Reise will der Präsidentschaftskandidat sein außenpolitisches Profil schärfen und sich so gegen den Vorwurf wehren, international unerfahren zu sein. Das soll Obama im Wahlkampf gegen den republikanischen Kandidaten McCain helfen, der im außenpolitischen Bereich mehr Erfahrung für sich beanspruchen kann.(mis)