Es war sicherlich auch für die beiden Kontrahenten eine nette Abwechslung: Am gestrigen Donnerstagabend Ortszeit nahmen sowohl Barack Obama als auch John McCain an einem Wohltätigkeitsdinner in New York teil. Dort machten die beiden Präsidentschaftskandidaten sich über sich selbst wie über ihren politischen Gegner lustig. John McCain könnte das Lachen allerdings bald vergehen: Der Vorsprung Obamas scheint uneinholbar.
McCain witzelte, sein demokratischer Kontrahent habe nichts dagegen, "that one" ("der da") genannt zu werden, wie der republikanische Kandidat es beim zweiten TV-Duell tat. Denn "tatsächlich hat er auch einen Kosenamen für mich: George Bush", so McCain. Aber auch Obama hatte Lacher zu bieten: So heiße sein Vorname Barack auf Swahili ohnehin "Der da". Seinen muslimischen Mittelnamen Hussein habe er von jemandem erhalten, "der nicht dachte, dass ich mich jemals um die Präsidentschaft bewerben würde".
Die beiden Konkurrenten schmierten sich beim traditionellen Al-Smith-Wohltätigkeits-Dinner jedoch auch Honig um den Bauch. Obama erklärte, dass er McCains Verdienste im Vietnamkrieg bewundere, während dieser den Versuch des Demokraten würdigte, der erste schwarze Präsident der USA zu werden.
Es ging also ganz schön lustig zu bei der vom New Yorker Erzbistum ausgerichteten Wohltätigkeitsveranstaltung. Aber wie lange McCain wirklich noch etwas zu Lachen hat, ist fraglich. Mittlerweile ist er in den meisten Umfragen empfindlich hinter Obama zurückgefallen, die dem Demokraten durchschnittlich zehn Prozentpunkte Vorsprung attestieren. Umso verzweifelter versucht McCain eine Aufholjagd, doch der 72-Jährige tritt dabei von einem Fettnäpfchen ins Nächste.
Da wäre zum Beispiel die Sache mit Joe, dem Klempner. Joe heißt mit Nachnamen eigentlich Wurzelbacher, aber McCain nennt ihn nur Joe. Der Republikaner zieht den Klempner aus Ohio immer wieder als Beispiel für die verfehlte Steuerpolitik Obamas heran. Joe möchte sich gerne selbstständig machen - aber Obamas Steuersystem würde das unmöglich machen, sollte der Demokrat gewinnen, so die Argumentation McCains. Denn in diesem Fall käme Wurzelbacher in eine höhere Steuerklasse.
Tatsächlich würde Joe aber von einem Präsidenten Obama profitieren, rechneten Experten in der 'New York Times' vor. Die Lokalzeitung 'Toledo Blade' berichtete außerdem, der Jahresverdienst Wurzelbachers liegt weit unter den von ihm angegebenen 250.000 Dollar. Der Klempner könnte sich ohnehin nicht selbstständig machen, da er keine Berufslizenz vorweisen kann. Darüber hinaus nimmt es Wurzelbacher mit dem Gesetz nicht so genau: Laut Gerichtsakten soll er mit einer Zahlung über 1.200 Dollar im Rückstand sein.
Zu allem Überfluß schlagen sich nun auch noch die Londoner 'Times' sowie Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan auf Obamas Seite. Die eigentlich konservative 'Times' lobte in einem Leitartikel vom heutigen Freitag "Charakter, Urteilskraft und Intelligenz" des 47-Jährigen. McCains Wahlkampf hingegen sei "gescheitert", außerdem sei die Wahl von Sarah Palin zur Vizepräsidentschaftskandidatin "unverantwortlich". Pikant dabei: Die 'Times' befindet sich im Besitz von Medienmogul Rupert Murdoch, dem auch der konservative US-Nachrichtensender 'FOX News' gehört. Annan sagte am Donnerstag in Dublin, er verspreche sich von einem Wahlsieg Obamas eine "phänomenale Veränderung". Ein Sieg des Demokraten würde eine neue Dynamik auslösen und die Beziehungen zwischen den USA und der Welt erneuern.
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Doch noch ist nicht alles verloren für McCain. Bis zur Wahl sind es noch zweieinhalb Wochen - ein kurzer Zeitraum, in dem jedoch noch Vieles passieren kann. Der Republikaner weiß außerdem, dass die Umfrageergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind. Die Befragungen sind nämlich überwiegend von liberalen Instituten durchgeführt worden. Barack Obama weiß das auch, und mahnt daher zur Vorsicht. "Unterschätzt nicht unsere Fähigkeit, es zu vermasseln", sagte der demokratische Kandidat am Donnerstag.