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Barack Obama und John McCain duellieren sich in der Kirche

18.08.2008KAMPF UM DIE STIMMEN DER EVANGELIKALEN

Barack Obama und John McCain duellieren sich in der Kirche – 'Der Teufel tobt auf Amerikas Straßen'

Die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain haben sich am vergangenen Samstag in einem religiös gefärbten Interview duelliert. In der kalifornischen Saddleback Kirche beantworteten die Bewerber je eine Stunde lang getrennt voneinander die Fragen des Pastors Rick Warren. Während McCain oft mit Bauchgefühl punkten konnte, sprach Obama mit brillanter Rhetorik aber wenig Leidenschaft eher den Kopf an.

Der Pastor stellte den Kandidaten identische Fragen, unter anderem über die Bedeutung von Jesus für den Alltag, die Existenz des Bösen, moralisches Versagen und Reichtum. Während Obama als erstes mit Warren sprach, durfte McCain hinter der Bühne nicht zuhören. Das evangelische Publikum war traditionell eher McCain zugeneigt, zeigt sich aber insgesamt zurückhaltend und fair. Auch keiner der Kandidaten griff seinen Konkurrenten an.

Auf eine entsprechende Frage pries Obama seine Frau als Beraterin an und sagte Sätze wie, „Was Du für den geringsten Deiner Brüder getan hast, hast du für mich getan“, oder „Jesus ist für meine Sünden gestorben. Der Teufel tobe auf Amerikas Straßen, jeder müsse nach ihm in seiner eigenen Seele forschen, erklärte der demokratische Präsidentschaftsbewerber. Der Frage, ab wann eine Baby Menschenrechte habe, wich Obama aus. Möglicherweise solle man statt Verbotsdebatten eher die Zahl der Abtreibungen senken? Bush habe das Recht zur Abtreibung trotz vieler Reden jedenfalls nicht abgeschafft.

McCain, obwohl als Republikaner bisher bei den Evangelikalen nicht sonderlich beliebt, antwortet dagegen direkt und präzise. Ein Baby habe „vom Moment der Empfängnis“ Menschenrechte, erklärte der Bewerber. Auf die Frage, ob das Böse existiere, äußerte sich McCain deutlich: „Wenn ich Präsident der USA bin, werde ich Osama Bin Laden notfalls bis an den Eingang der Hölle verfolgen.“ Was die schwerste Entscheidung in seinem Leben gewesen sei?

McCain war als Kriegsgefangener in Hanoi, nachdem er nach eigener Beschreibung mit seinem Flugzeug eine Rakete abgefangen hatte. Als Sohn eines Admirals boten ihm die Vietnamesen an, ihn früher zu entlassen, berichtete der Republikaner. Doch McCain lehnte das Angebot ab, da sonst ein anderer Amerikaner zurückgeblieben wäre, der schon länger gefangen war. „Ich habe viele Gebete gebraucht, um das zu schaffen.“

Mit derartigen Anekdoten schaffte es McCain, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Auf dieser Ebene hatte Obama dem Republikaner nicht viel entgegenzusetzen. So konnte der demokratische Kandidat mir seiner Rhetorik lediglich die Köpfe der Menschen ansprechen, während sein Gegenspieler bei den Gläubigen mit Bauchgefühl punktete.

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Dabei haben Demokraten bei Evangelikalen ohnehin einen schweren Stand. Allgemein wollen 70 Prozent der Amerikaner einen Präsidenten, dem sein Glaube wichtig ist. Bei der letzten Wahl stellten die Evangelikalen fast jeden vierten Wähler, vier von fünf votierten für George W. Bush. Auch die liberale Haltung Obamas bezüglich der Abtreibung stellt eine Hürde für die Demokraten dar. Fast zwei Drittel der Evangelikalen schließen aus, für einen Kandidaten zu stimmen, der die Abtreibung unterstützt. Zudem  halten sich hartnäckige Gerüchte, Obama sei Muslim, dem rund zwölf Prozent der Bevölkerung Glauben schenken. „McCain hat eine tolle Lebensgeschichte und damit baut er eine emotionale Verbindung zu den Wählern auf, analysierte Ex-Präsidentenberater David Gergen das Interview. „Eins steht fest: Wenn Obama die Debatten gegen McCain gewinnen will, muss er sich steigern und emotionaler werden.“ (mis)

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