Das dritte TV-Duell zwischen den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain stand am gestrigen Mittwoch ganz im Zeichen von Wirtschafts- und Politikfragen. Ersten Umfragen zufolge hat Obama auch dieses Rededuell gewonnen. 58 Prozent der Befragten sahen den Senator aus Illinois überzeugender als seinen republikanischen Kontrahenten, den nur 31 Prozent besser fanden.
Während die erste Hälfte aus Sachfragen bestand, in denen McCain überraschend punkten konnte, kosteten den 72-Jährigen mehrere persönliche Attacken auf den Kontrahenten in der zweiten Hälfte den Sieg.
Das hätte sich Joe, der Klempner, wohl nicht träumen lassen. Der „kleine Mann", dem John McCain angeblich auf einer Wahlkampfveranstaltung begegnet war, beherrschte die erste halbe Stunde der Debatte, in der es um Wirtschaftsthemen ging. Joe würde gerne sein eigenes Unternehmen aufbauen, bangt aber um seine wirtschaftliche Existenz. Also bemühte sich der Senator aus Arizona, zu erklären, warum es Joe unter einem Präsidenten McCain besser gehen würde, als unter einem Präsidenten Obama. Immer wieder beharrte McCain darauf, dass sein demokratischer Gegenbewerber die Steuern für alle erhöhen würde, was Obama stets bestritt und darauf verwies, dass die Steuererhöhungen nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung betreffen würden.
Insgesamt wandten sich beide Kandidaten viel öfter direkt an den Gegner, und gaben der 90minütigen Veranstaltung in der Hofstra University in New York eine persönliche Note. Als Obama wiederholt ansprach, dass McCain in vielerlei Hinsicht die Politik George Bushs weitertragen würde, antwortete der Republikaner ruhig: „Ich bin nicht Präsident Bush. Wenn sie gegen Präsident Bush hätten antreten wollen, hätten sie das vor vier Jahren machen sollen." Zweifellos war dies der gelungenste Zug McCains in der Debatte.
In der ersten Hälfte überraschte der 72-Jährige in seiner schwächsten Disziplin, den Wirtschaftsfragen. Jedoch konnte Obama wiederholt mit guten Antworten auf McCains Anschuldigungen antworten. Eindrucksvoll verwies der Demokrat bei der Debatte um den schmutzig gewordenen Wahlkampf darauf, dass eine CBS-Umfrage bewiesen hätte, dass zwei Drittel der Amerikaner McCains Wahlkampf als „schmutzig" betrachteten. Der Republikaner konnte als Antwort nur bemüht darauf hinweisen, dass Obama eine „nie dagewesene" Geldsumme für eine „Schmutzkampagne gegen mich" ausgebe.
Das, was bei McCain in den vergangenen Wochen am häufigsten kritisiert wurde, war exakt jener schmutzige Wahlkampf und die wiederholten persönlichen Attacken auf Obama. In der zweiten Hälfte der Debatte kosteten genau jene persönliche Attacken auf den Gegner McCain viele der Sympathien, die sich der Senator aus Arizona durch kompetente Antworten in Wirtschaftsfragen erspielt hatte.
Wieder ging es um Obamas Bekanntschaft mit Bill Ayers, einem ehemaligen Terroristen. Ayers hatte in der 60er und 70er Jahren der Untergroundorganisation 'Weather Underground' angehört, die Bombenattacken auf das Pentagon und das Kapitol geplant hatten. Das ständige Beharren McCains auf Obamas Verbindungen zu dem ehemaligen Terroristen war sogar von Republikanern kritisiert worden, und auch jetzt konnte sie der Demokrat zu seinem eigenen Vorteil nutzen. „Mr. Ayers ist nicht Teil meiner Kampagne, er war es nie, und er wird mich auch nicht im weißen Haus beraten."
Das saß, zumal Obama auch darauf verweisen konnte, dass er gerade einmal acht Jahre alt war, als Ayers seine Anschläge plante. Wieder einmal hatte McCain den Fehler begangen, zu sehr auf persönliche Attacken zu setzen. Die Sympathiewerte, die sich der 72-Jährige zur Halbzeit der Debatte erspielt hatte, rutschten in den Keller. Während sich Barack Obama staatstragend gab, und sich nicht zu persönlichen Angriffen hinreißen ließ, konnte McCain seine Wut kaum verbergen, und wirkte gereizt.
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Entsprechend fiel auch das Votum der Befragten nach der Debatte aus. 58 Prozent sahen in Obama den überzeugenderen Kandidaten. McCain sahen lediglich 31 Prozent besser, und damit ging auch die dritte Runde der TV-Debatten an den Demokraten. In drei Wochen schreiten die Amerikaner zur Wahl. Dass McCain das Ruder noch herumreißen kann, wird immer unwahrscheinlicher. Zu überlegen wirkte Obama in allen drei TV-Debatten, und zu angespannt der ehemalige Kriegsveteran aus Arizona.