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Barack Obama setzt sich ab - John McCain und Sarah Palin planen Offensive

06.10.2008FINANZKRISE HILFT DEMOKRATEN

Barack Obama setzt sich ab - John McCain und Sarah Palin planen Offensive

Der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf geht in die entscheidende Phase, und Sarah Palin zeigt langsam, worin ihre Aufgabe besteht. Als „Pitbull“ mit Lippenstift bezeichnete sich die US-Vizepräsidentschaftskandidatin bei ihrer Nominierung im August. Nun fährt sie die ersten scharfen Attacken gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Das Timing dieser Verbal-Angriffe ist kein Zufall: Die Republikaner sind im Rennen um das Weiße Haus empfindlich zurückgefallen.

Ein kurzer verschwörerischer Blick, die Stirn in Falten gelegt, die Gesichtszüge von heiligem Ernst erfüllt: Wenn Sarah Palin wirklich in erster Linie eine Schauspielerin ist, deren Sätze ihr die republikanischen Partei vorkaut, wie politische Kommentatoren spötteln, dann ist die 44-Jährige dringend Oscar-verdächtig. Mit derart viel Verve ist in diesem Wahlkampf noch kein Angriff auf Barack Obama vorgetragen worden.

„Wir begreifen Amerika als die größte Macht für das Gute in dieser Welt - als Fackel des Lichts und der Hoffnung für andere, die nach Freiheit und Demokratie trachten", erklärt Palin am Samstag voller Pathos in einer Rede vor Parteisponsoren in Colorado. Barack Obama hingegen sei jemand, „der Amerika scheinbar als so unvollkommen wahrnimmt, dass er sich mit Terroristen abgibt, die ihr eigenes Land ins Visier nehmen".

Barack Obama als Symphatisant des Terrors? Namen nannte Sarah Palin nicht, aber es ist klar, wen sie mit ihrer Aussage meinte. Die Rede war von Bill Ayers, einem Professor für Pädagogik aus Chicago, dem Obama in den 90er Jahren während seiner Arbeit für sozial engagierte Stiftungen begegnete. 1995 organisierte Ayers bei sich zu Hause einen Empfang, auf dem er Obama seine Unterstützung für dessen Kandidatur für den Senat von Illinois zusagte. In den wilden Sechzigern war der Professor einer der Mitbegründer der linksradikalen „Weather Underground"-Gruppierung, die Bombenanschläge auf den US-Kongress und das Pentagon verübte.

Noch zweimal sollte Palin an diesem Wochenende ihren Vorwurf wiederholen. Für Obama sind diese Attacken nichts Neues. Bereits in den Primaries erhob Hillary Clinton ähnliche Anschuldigungen. Obama rechtfertigte sich damals, er habe seit 2005 keinen Kontakt mehr zu Ayers gehabt, und überhaupt sei der Pädagogik-Professor lediglich „ein Typ aus meiner Nachbarschaft", der eben vor 40 Jahren „abscheuliche Taten begangen hat, als ich gerade acht war". Recherchen der 'New York Times' ergaben, dass Obama höchstwahrscheinlich nicht gelogen hatte.

Dass diese scharfen persönlichen Attacken aus dem republikanischen Lager stammen, ist jedoch neu. Das Team um John McCain hatte sich ursprünglich einen ungewohnt sauberen Wahlkampf verortet, in der die politische Agenda des 72-Jährigen sowie seine Vergangenheit als Vietnam-Veteran im Mittelpunkt stehen sollten. Die Republikaner wollten Barack Obama nicht noch mehr in den Fokus der Medien rücken als nötig. Noch 2004 hatte das Wahlkampfteam um George W. Bush den demokratischen Mitbewerber John Kerry in den Schmutz gezogen, weil dieser allem Anschein nach einige seiner Heldengeschichten aus dem Vietnam-Krieg arg glorifiziert hatte.

Doch die Republikaner stehen unter Druck, denn die Umfragewerte sprechen gegen sie. In den letzten Wochen sind John McCain und Sarah Palin klar hinter Obama zurückgefallen, der vor allem in den noch unentschlossenen 'Swing States' einigen Boden gutmachen konnte. Zum einen liegt das an der internationalen Finanzkrise, für die viele Wähler die Laissez-Faire-Finanzpolitik der Republikaner in den letzten drei Jahrzehnten verantwortlich machen. Zum anderen liegt das an Sarah Palin.

Die anfängliche Euphorie um die Gouverneurin Alaskas ist nach ihrer Nominierung wieder rasch verflogen. Palin weckt bei ihren Auftritten immer wieder Zweifel daran, dass sie dem Amt der Vizepräsidentin gewachsen ist. Ihre Sätze klingen auswendig gelernt und heruntergespult, und die 44-Jährige tritt außerdem immer wieder in Fettnäpfchen. Erst zuletzt erklärte sie in einem Fernseh-Interview, durchaus über die außenpolitische Erfahrung zu verfügen, die ihr Kritiker immer wieder absprechen. Immerhin käme Palin aus Alaska, das Russland „direkt vor der Haustür" hat. Was in Washington als Witz kursiert, macht sich Palin mit bitterem Ernst als Argument zu eigen.

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Daher waren die Republikaner schon froh, dass die Gouverneurin im TV-Duell mit dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden ohne Ausrutscher blieb. Allerdings gilt das ebenfalls für die Demokraten und deren Kandidaten, denn auch Biden tritt gerne einmal ins Fettnäpfchen. In der Nacht zum Mittwoch treten dann Obama und McCain zu ihrem zweiten TV-Duell an. Der 72-jährige Senator aus Arizona hat bereits angekündigt, spätestens dann „die Handschuhe ausziehen" zu wollen. Sarah Palin war nur die Vorbotin für die neue Strategie der Republikaner. (fr)

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