Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat am gestrigen Donnerstag in Denver seine Wahlkampfrede vor 80.000 Menschen gehalten und seine Nominierung angenommen. "Mit tiefer Dankbarkeit und Demut nehme ich die Nominierung für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an“, erklärte der Demokrat. Obama kündigte an, den "amerikanischen Traum“ wieder herstellen zu wollen, und ging in seiner Rede ungewohnt bodenständig auf die Sorgen des Mittelstandes ein.
„Es ist Zeit, Amerika zu verändern. Unsere Nation ist im Krieg, unsere Wirtschaft in Aufruhr und das amerikanische Versprechen ist wieder einmal in Gefahr", berichtete der Präsidentschaftskandidat vor 80.000 Menschen. „Wir messen die Stärke unserer Wirtschaft nicht an der Zahl der Milliardäre. Wir messen den Fortschritt daran, wie viele Menschen eine Arbeit finden können, um ihre Hypotheken zu bezahlen, und ob sie am Ende des Monats ein bisschen Geld sparen können." Mit diesen Sätzen bietet sich Obama als Retter an, und ließ das Publikum jubeln.
Der 47-Jährige gab sich in seiner Rede weniger Visionär, dafür aber ungewohnt bodenständig. Der Demokrat sprach von Benzinpreisen und fallenenden Immobilienpreisen und suchte damit vor allem den Draht zu den Arbeitnehmern und der Mittelklasse, die die Wahl am 4. November möglicherweise entscheiden werden. Obama referierte über ihre Tugenden, ihren Fleiß, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit und teilte ihre Sorgen um die Arbeitsplätze und die Ausbildung der Kinder.
Die derzeitige Situation sei zwar nicht die alleinige Schuld der amtierenden Regierung. „Die Tatsache, dass sie nicht darauf reagiert hat, ist eine direkte Folge der verheerenden Präsidentschaft von George W. Bush. Deshalb rufe ich den Leuten in Amerika zu: Es reicht! Amerika hat etwas Besseres verdient, als die vergangenen acht Jahre", so Obama. Der erste schwarze Präsidentschaftskandidat der USA griff gleichzeitig die republikanische Ideologie an, die meine, wenn es den Besitzenden und Konzernen gut geht, auch die normalen Arbeitnehmer profitierten.
„Wir können uns nicht vier weitere Jahre leisten, die genauso aussehen wie die vergangenen acht Jahre." John McCain sei zwar ein ehrenwerter Kriegsveteran, aber auch ein blinder Gefolgsmann von Bush. Der Demokrat appellierte an den republikanischen Kandidaten, die persönlichen Angriffe der vergangenen Zeit aufzugeben und forderte die Abkehr von den Machenschaften der Lobbyisten in Washington.
Auch den Forderungen nach mehr greifbarem Inhalt kam Obama in seiner Rede nach. Der Präsidentschaftskandidat erklärte, er wolle den Wandel durch Steuersenkungen für den Mittelstand und Steuererhöhungen für die Reichen anstoßen. Innerhalb von zehn Jahren will der Demokrat die USA von Öl-Importen unabhängig machen, gleichzeitig versprach er Krankenversicherungen für alle, sichere Renten und gleiche Löhne. „Ich werde diesen Wandel bezahlen können, indem ich alle steuerlichen Schlupflöcher für die Großunternehmen stopfe", so der Bewerber.
Außenpolitisch kündigte Obama an, den Einsatz im Irak „besonnen zu beenden" und dem Iran mit „harter Diplomatie" zu begegnen. Seinen Kritikern, die ihm außenpolitische Unerfahrenheit vorwarfen, entgegnete der 47-Jährige: „Ich werde als Oberkommandeur niemals zögern, diese Nation zu verteidigen. Aber ich werde meine Soldaten nur mit einem klaren Auftrag und gut ausgerüstet einsetzen."
Zum Schluss der 44-minütigen Rede appellierte der Kandidat an seine Anhänger: „Ihr habt mich 18 Monate lang unterstützt und erklärt: Schluss mit der alten Politik. Ein Wandel kann nicht von Washington ausgehen, er muss nach Washington kommen." Dann erschien seine Frau Michelle mit den zwei Töchtern auf der Bühne.
Der Kommentator des amerikanischen TV-Senders CNN zeigte sich nach der Rede begeistert. „Das war weniger eine Rede, als eine Symphonie. Ein Meisterwerk." Schon im Vorfeld war den amerikanischen Medien kein Vergleich zu hoch und sprachen gar von der Rede J.F. Kennedys im Jahr 1960, als er Amerika zu den „neuen Grenzen" aufrief.
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So starteten die Demokraten mit einer Hollywood-reifen Show. Berühmtheiten wie Sheryl Crow oder Stevie Wonder läuteten die heiße Phase im teuersten Wahlkampf aller Zeiten ein. Am gestrigen Donnerstag war es auf den Tag genau 45 Jahre her, seit Martin Luther King seine berühmte ‚I Have A Dream‘-Rede hielt, in der er für die Rechte der schwarzen Minderheit in den USA kämpfte. Nun hat der erste schwarze Präsidentschaftskandidat seine Nominierung für das Amt des Staatsoberhauptes angenommen.