Am Samstag Morgen um 00.08 Uhr gab der Gerichtspräsident Giancarlo Massei die Urteile für Amanda Knox und Raffaele Sollecito bekannt. Die Jury hatte die zwei Angeklagten für schuldig befunden und zu Haftstrafen von 26, bzw. 25 Jahren verurteilt.
In den USA zweifelten die Medien nicht nur das Urteil an der amerikanischen Staatsbürgerin an, sondern den italienischen Rechtsstaat im Allgemeinen - nun will sich US-Außenministerin Hillary Clinton des Falles annehmen.
Nach Angaben der italienischen Zeitung 'La Stampa' will sich US-Außenministerin Hillary Clinton nun ebenfalls in den spektakulären Prozess einschalten und überprüfen, ob tatsächlich "ernste Zweifel an der Funktion des italienischen Justizsystems" bestehen, eine Anschuldigung, die nicht nur von der amerikanischen Senatorin Maria Cantwell erhoben wurde, sondern ebenfalls von einem Großteil der amerikanischen Medien.
Amanda Knox
Sind die Beweise im Fall Knox / Sollecito wirklich ausreichend, um eine unparteiische Jury zu einem Schuldspruch zu bewegen? Die Angeklagten wurden zwar nicht wie von der Staatsanwaltschaft gefordert zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Dennoch lautete das Urteil für Raffaele Sollecito 25 Jahre Gefängnis, für Amanda Knox 26 Jahre. Sie erhielt ein Jahr zusätzlich, da sie nach dem Mord einen Unschuldigen der Tat bezichtigt hatte. Darüber hinaus müssen beide zu gleichen Teilen insgesamt 4,4 Millionen Euro Schadensersatz an die Hinterbliebenen des Opfers Meredith Kercher zahlen. Der amerikanische Sender CNN schrieb dazu: "Der Fall wirft Fragen nach einem groben Fehlurteil auf."
Die US-Staatsbürgerin Amanda Knox (23) war gemeinsam mit ihrem italienischen Ex-Freund Sollecito (25) angeklagt, die Britin Meredith Kercher gefoltert, vergewaltigt und ermordet zu haben, da diese sich weigerte, bei Sexspielen mit den Angeklagten und dem Ivorer Rudy Guede mitzumachen. Rudy Guede wurde in einem abgekürzten Prozess wegen Beteiligung an dem Verbrechen bereits im Vorfeld zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft plädierte auf "Mord in Verbindung mit sexueller Gewalt". Die Angeklagten selbst bestreiten jedoch bis zum heutigen Tag ihre Beteiligung an der Tat, ein Berufungsprozess des bereits verurteilten Rudy Guede läuft. Es wurden Nachlässigkeiten in den Ermittlungen nachgewiesen und es bestehen Zweifel an der Tatwaffe. Amandas Vater Curt Knox sagte dem amerikanischen Fernsehsender ABC: "Das ist schlichtweg ein Fehlurteil des italienischen Justizsystems". Es handele sich darüber hinaus um ein "Versagen der Stadt Perugia und Italiens als Ganzes."
Nach Verkündung des Urteils wegen Mordes und sexueller Nötigung brach Amanda Knox in Tränen aus. Sie sagte am Samstag nach einer durchweinten Nacht: "Keiner glaubt mir". Auch ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito, der das Urteil wie erstarrt entgegennahm, steht aufgrund seiner besorgniserregenden Verfassung unter Beobachtung. Er beschrieb, er fühle sich wie in einem Albtraum.
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Arline Kercher, die Mutter der ermordeten Britin, zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Urteil und sagte zur britischen Zeitung 'Daily Mirror': "Wir sind diejenigen, die eine lebenslange Strafe bekommen haben. Wir müssen mit dem, was passiert ist, für den Rest unseres Lebens leben. Man sagt, Zeit heilt die Wunden, aber das tut sie nicht."
Die Anwälte der Angeklagten Knox und Sollecito kündigten allerdings bereits an, in Berufung zu gehen und bezeichneten das Urteil als "schmerzhaften Aufschub eines Freispruchs". (ssp)