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Afghanistan: Massive ausländische Kritik an Luftschlag - Merkel hält dagegen

09.09.2009EU- UND NATO-PARTNER EMPÖRT

Afghanistan: Massive ausländische Kritik an Luftschlag - Merkel hält dagegen

Eine Woche nach dem Nato-Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster in Afghanistan, ist die Zahl der Opfer und die Frage, ob auch Zivilisten zu Tode gekommen sind, nicht hinreichend geklärt. Doch die Kritik aus dem In- und Ausland wird immer lauter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich am gestrigen Dienstag in Berlin allerdings deutlich gegen voreilige Verurteilungen und Schuldzuweisungen aus.

Am Mittwochabend vergangener Woche hatten mehrere Taliban-Kämpfer zwei Tanklastwagen in der Provinz Kundus in Afghanistan entführt, und die beiden Chauffeure geköpft. Ziel des Trecks war eigentlich das Nato-Nachschublager in Char Darah gewesen. Ein US-Bomber lokalisierte die verschwundenen Tanklaster rasch, die sich noch dazu mittlerweile in einem Flussbett festgefahren hatten, so das Verteidungsministerium.

Einem Bericht der 'Washington Post' zufolge sollen dann die Taliban-Kämpfer einige Dorfbewohner dazu gezwungen haben, ihnen zu helfen. Zum Dank erhielten die Zivilisten Benzin, das sie sich aus den Lastern abschöpfen durften.

Aus Angst, die Taliban könnten aus den Tanklastern eine "rollende Bombe" machen und einen Anschlag auf das sechs Kilometer entfernte deutsche Camp verüben, ordnete zeitgleich Bundeswehr-Oberst Georg Klein ein verheerendes Bombardement an, bei dem laut Verteidigungsministerium 56 Menschen ums Leben kamen. Unbestätigte Berichte sprechen unterdessen hingegen von über 100 Opfern. Am gestrigen Dienstag bestätigte die Nato schließlich Gerüchte, dass auch Zivilisten bei dem Luftangriff getötet worden seien.

Politiker aus dem Ausland zeigten sich entsetzt über die umstrittene Anordnung Kleins und die damit verbundenen Meldungen über getötete unschuldige Zivilisten. David Miliband, britischer Außenminister, betonte, dass es lebenswichtig sei, alles zu tun, um die Opfer unter der Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten. Zivile Opfer seien das Gegenteil von dem, "weshalb wir dort sind".

Bernard Kouchner, französischer Außenminister, forderte eine gründliche Aufklärung des Vorfalls. Es habe sich um "eine der Grausamkeiten des Krieges" gehandelt und sei ein "großer Fehler" gewesen. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner bezeichnete den Luftangriff ihrerseits als "große Tragödie". Franco Frattini, italienischer Außenminister, sprach von "Aktionen, die niemals hätten geschehen dürfen."

Auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn war empört: "Ich verstehe nicht, dass Bomben so einfach und so schnell abgeworfen werden können." Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero fand der Luftangriff ebenfalls "nicht hinnehmbar". EU-Ratspräsident und schwedischer Außenminister Carl Bildt mahnte: "Wir gewinnen nicht vor allem durch militärische Mittel. Wir gewinnen durch Frieden und den politischen, wirtschaftlichen, zivilen Aufbau eines Staates."

In Deutschland entfachte das Bombardement erneut eine Debatte über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, der nun zum integrativen Bestandteil des Wahlkampfs avanciert. So warf der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundesfraktion Werner Hoyer dem Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) vor, ein "Kommunikationsdesaster" verursacht zu haben, "weil er ohne ein klares Lagebild Bewertungen abgegeben hat." Jung hatte vergangene Woche gesagt, ihm lägen keine Informationen über zivile Opfer vor. Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin schloss sich Hoyer an: Jung sei eine "Belastung für die deutsche Afghanistan-Politik".

Oskar Lafontaine (Linke) stellte am gestrigen Dienstag im Bundestag den Einsatz am Hindukusch in Frage: "Wir fordern den Rückzug." In Afghanistan kämpfe man gegen die Taliban, die als Stammeskultur zu bezeichnen seien. "Der Kampf gegen eine Kultur ist nicht zu gewinnen."

In einer Regierungserklärung zum Afghanistan-Einsatz am gestrigen Dienstag bezog Bundeskanzlerin Angela Merkel indessen Stellung zu den möglichen zivilen Opfern: "Wir trauern um jeden einzelnen. Jeder unschuldig Verletzte ist einer zu viel. Wir fühlen mit ihnen und ihren Angehörigen. Unschuldig Verletzte und zu Tode gekommene Menschen, auch und gerade infolge deutschen Handelns, bedaure ich zutiefst."

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Kritik wies sie, solange es die von ihr geforderte "lückenlose Aufklärung" noch nicht gäbe, vehement zurück: "Ich verbitte mir das, und zwar von wem auch immer, im Inland genauso wie im Ausland." Merkel kündigte an, noch dieses Jahr eine Afghanistan-Konferenz einberufen zu wollen, um die weitere Vorgehensweise zu klären.

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