In einem Interview mit der 'Bild am Sonntag' hat Altkanzler Helmut Schmidt den Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, mit Adolf Hitler verglichen. Die Linke gibt sich empört, doch Schmidt erhält Unterstützung von CSU-Parteichef Erwin Huber sowie der 'Bild'-Zeitung.
Wörtlich sagte der 79-Jährige der 'Bild am Sonntag': "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch". Lafontaine sei außerdem vergleichbar mit dem französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen - der eine sei eben links, der andere rechts.
Politiker der Linken reagierten empört auf die Aussagen des Altkanzlers. Die Bundestagsabgeordnete Petra Pau bezeichnete Schmidts Äußerungen als "Tabubruch". "Leider neigen Politiker aus dem Westen Deutschlands immer wieder zu solchen Entgleisungen", so Pau. Der Vize-Parteitagsvorsitzende der Linken, Klaus Ernst, sagte in der 'Passauer Neuen Presse': "Schmidts Worte sind ungeheurlich. Da kann ich nur sagen: Alterssenil".
Unterstützung erhält der Altkanzler von CSU-Parteichef Erwin Huber und der Bild-Zeitung. Schmidt habe "im Kern natürlich Recht", wenn er die "demagogischen Verführungskräfte" Lafontaines geißele, so Huber. Die 'Bild' hingegen kritisierte in ihrer Ausgabe vom heutigen Dienstag die Attacken der Linken auf Schmidt als "ungehörig" und fragte in Anspielung auf den Machtkampf in Hessen: "Und mit denen will Ypsilanti koalieren?"
Verwandte Artikel
Oskar Lafontaine selbst, der am gestrigen Dienstag seinen 65. Geburtstag feiert, reagierte gelassen auf Schmidts Vergleich. "Helmut Schmidt hat auch Charisma. Wir sollten seine Worte aber auch nicht mehr so wichtig nehmen. Wir gehen zur Tagesordnung über", antwortete Lafontaine. Der Parteichef der Linken und der Altkanzler befehden sich bereits seit 1982. Damals hatte Lafontaine dem amtierenden Bundeskanzler Schmidt vorgeworfen, mit seinen Forderungen nach "Sekundärtugenden", wie Pflichtgefühl, könne man "auch ein KZ betreiben". (fr)