Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat Medienberichten zufolge eine überraschende Studie über Muslime in Deutschland veröffentlicht. Demzufolge leben mehr Anhänger der islamitischen Religion in Deutschland als bisher gedacht. Im Durchschnitt sind die Muslime gut integriert und gläubig, haben aber ein niedriges Bildungsniveau.
Bislang waren offizielle Schätzungen von maximal dreieinhalb Millionen Muslimen in Deutschland ausgegangen. Die neue Studie bezog jedoch Immigranten aus mehr Staaten ein und berücksichtigte auch Nachkommen von Einwanderern. Damit ergibt sich eine neue Zahl von 4,3 Millionen Muslimen, was circa 5% der Gesamtbevölkerung entspricht.
Die muslimischen Immigranten und ihre Nachkommen leben fast durchweg in Berlin oder Westdeutschland. Nur 2% aller deutschen Muslime leben in den neuen Bundesländern. Die meisten Anhänger Mohammeds haben in Nordrhein-Westfalen ihr Zuhause. Dort leben etwa 1,4 Millionen Muslime.
Neben der höheren Anzahl ist außerdem überraschend, wie gut viele der Einwanderer in die Gesellschaft integriert sind. Mehr als 50% aller Muslime über 16 Jahren sind Mitglied eines deutschen Vereins. Damit sind deutsche Vereine beliebter als religiöse Gruppierungen, in denen nur ein Fünftel Mitglied ist.
Trotzdem sind viele Muslime gläubig und praktizieren ihre Religion. Fast 80% von ihnen wünschen sich islamischen Religionsunterricht für ihre Kinder. Allerdings gibt es in puncto Religiosität breite Unterschiede, was das Herkunftsland angeht. Beispielsweise bezeichnen sich nur zehn Prozent aller iranischen Einwanderer als sehr stark gläubig, während es bei den türkischstämmigen über 40% sind. Ebenfalls hervorzuheben ist, dass nur die Hälfte aller stark gläubigen Muslimas in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen.
Bedauerlicherweise ist das geringe Bildungsniveau der Muslime Spitzenreiter im Vergleich zu anderen Immigrantengruppen. Türkischstämmige Einwanderer haben mit Abstand den geringsten Bildungsgrad. Dennoch grenzen sich Muslime nicht vom Unterricht aus: Nicht einmal zehn Prozent der muslimischen Schülerinnen bleiben aus religiösen Gründen dem Schwimmunterricht oder Klassenfahrten fern.
Das Innenministerium und die Deutsche Islamkonferenz (DIK) hatten die Studie angeregt. Am morgigen Donnerstag kommt die Konferenz zu ihrer vierten Sitzung zusammen. Auch die neue Studie wird bei der Sitzung auf der Tagesordnung stehen. Innenminister Wolfgang Schäuble hatte die DIK im Jahre 2006 initiiert, um einen fruchtbaren Dialog zwischen Muslimen und Deutschland anzuregen.
rainer (10.07.2009 08:12)hui,wie positiv,
naja,ein Blick auf auftraggeber der studie und ergebnis hätt ich selber auch vorhersagen können, oh wunder