01_aktion_300x300
Linkbox
Artikel zum Thema
Dossiers zum Thema
Highlights zum Thema
Pressestimmen zum Thema
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in 'Twilight Eclipse': Ewiger Treueschwur
Highlights der Woche (KW 20)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteItemsShoesUNTERSCHIEDE IM FAMILIENVERSTÄNDNIS
Integration: Studie sieht bei Türken größte Probleme

20.11.2009UNTERSCHIEDE IM FAMILIENVERSTÄNDNIS

Studie: 45 Prozent der Türken fühlt sich in Deutschland unerwünscht

Am gestrigen Donnerstag haben die Meinungsforschungsinstitute INFO GmbH und Liljeberg Research International eine Vergleichsstudie zum Thema deutsch-türkische Wertewelten veröffentlicht. Deutsche, Deutsch-Türken und Türken gaben Auskunft zu Werten, Lebenseinstellungen, Religiosität und Aspekten ihres Konsumverhaltens.

Dabei äußerten 45 Prozent der befragten Türken in Deutschland, dass sie sich in der Bundesrepublik unerwünscht fühlten. 42 Prozent der Befragten möchten in die Türkei zurückkehren, wenn auch nicht kurzfristig. Auffällig hierbei ist, dass deutlich mehr junge Türken in ihre Heimat zurückkehren möchten als Türken der älteren Generationen.

Im Rahmen des Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei im Jahre 1961 waren anfangs 800.000 Türken als billige Arbeitskräfte nach Deutschland geholt worden, mittlerweile leben etwa 2,7 Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland. Davon haben ungefähr 30 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Frage, welches Land für diese Deutsch-Türken aber eher als Heimatland gilt, beantworteten nur 21 Prozent mit Deutschland. Das ist vor allem interessant, weil 30 Prozent der Befragten in Deutschland geboren wurden. 38 Prozent empfinden beide Länder, die Türkei und Deutschland, als ihre Heimat, 37 Prozent eher die Türkei. Ohne Abstriche zur deutschen Gesellschaft dazugehören möchten allerdings lediglich 53 Prozent.

Eine hohe Übereinstimmung von 82 Prozent bestand darin, dass die deutsche Gesellschaft stärker auf Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen sollte. Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde, betont in einem Interview mit dem 'Tagesspiegel', dass im Gegenteil viele Türken in Deutschland eine "unterschwellige Diskriminierung" erlitten. "Antitürkische Ressentiments haben in den vergangenen Jahren zugenommen."

Insgesamt stellten die Deutsch-Türken aber nur ein Drittel der Umfrageteilnehmer. 1.000 Personen wurden befragt, davon je ein Drittel Deutsche, Türken in Deutschland und Türken, die in der Türkei wohnen. Vergleicht man nun die Ergebnisse dieser drei Gruppen untereinander, so kann man relativ hohe Übereinstimmungen feststellen bei allgemeinen Werten wie Freundschaft, Freiheit oder Liebe, oder auch bei grundrechtlich geschützten Werten, wie Respekt gegenüber dem menschlichen Leben, anderen Religionen und Kulturen, Frieden oder Demokratie. Auch Qualitäten wie Pünktlichkeit und Ordnung haben bei allen drei Personsnkreisen ähnlich hohe Stellenwerte.

Große Unterschiede zwischen den Gruppen gibt es bei privaten und familiären Themen wie dem Rollenverständnis in der Familie, dem Zusammenleben von Mann und Frau vor der Ehe oder Homosexualität. Ein weiterer Unterschied stellt auch die Religiosität dar. Auch hier fällt auf, dass die jungen Deutsch-Türken häufig eine traditionellere Einstellung aufweisen als ihre Eltern.

In Deutschland lebende Türken erzielen zwar meist Ergebnisse, die zwischen denen der anderen beiden Bevölkerungsgruppen liegen, dennoch tendieren die Zahlen deutlich zu den Werten der türkischen Teilnehmer. Die Verfasser der Studie schreiben hierzu einer Stellungnahme: "In all diesen Aussagen offenbart sich auch bei den Türken in Deutschland das Fortleben eines tradierten türkisch-islamischen Familien- und Rollenverständnisses, das von aktuellen deutschen Vorstellungen weit entfernt ist."

Verwandte Artikel

Insgesamt kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich diese Bevölkerungsgruppe in materieller Hinsicht weitgehend eingefügt habe. Es handele sich aber um Menschen, die fest zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln und den türkischen Wertewelten stünden. Da die Gruppe formal alle Merkmale einer ethnischen Minderheit besäße, wird die Frage aufgeworfen, ob man sie nicht als solche anerkennen solle.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (0)