Das Kabinett Merkel II steht. Überraschender Neuzugang ist Philipp Rösler (FDP), jüngster Bundesgesundheitsminister in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Neuling, den die 'Bild'-Zeitung als "Shooting-Star im neuen Kabinett" und die 'Welt' als "Westerwelles aussichtsreichster Kronprinz" bezeichnet, meinte über seine neue Aufgabe: "Es ist nicht das leichteste Ressort, aber umso spannender."
Nach der Bekanntgabe der Ministerposten für die nächste Legislaturperiode zeigte sich Guido Westerwelle (FDP) am vergangenen Sonntag am Sonderparteitag im Flughafen Tempelhof besonders erfreut über die Ernennung Philipp Röslers zum neuen Gesundheitsminister: "Endlich ist mal wieder einer Gesundheitsminister, der was von der Sache versteht!" Damit schein klar zu sein, wem Rösler diesen Posten zu verdanken hat. Der 'Bild'-Zeitung bestätigte er im Interview: "Der Vorschlag, mir das Amt zu übertragen, kam auf jeden Fall von Guido Westerwelle."
Auf die Frage des Boulevardblatts, was der 36-Jährige zu Kritikern sage, die meinen, er sei noch zu jung und unerfahren für das Amt des Gesundheitsministers, antwortete er: "Diese Kritiker sind mir ein besonderer Ansporn, besonders fleißig und gut im neuen Amt zu sein." Rösler bekräftigte, die Gesundheitsreform müsse ein Markenzeichen von Schwarz-Gelb werden. "Das ist ein Auftrag: Wir sorgen jetzt endlich für ein Gesundheitssystem, das für über 80 Millionen Menschen in Deutschland robust und gerecht ist." Der aus Vietnam stammende Niedersachse wisse, "dass es sehr viel zu tun gibt. Deshalb würde ich am liebsten sofort anfangen zu arbeiten."
Das Gesundheitsressort gilt als eines der schwierigsten. Es wird sich noch zeigen, ob Rösler der Aufgabe gewachsen ist, "gegen Lobbyverbände, Milliardenlöcher ... und ideologischen Ideen der politischen Konkurrenz", wie die 'Welt' die Gegner des Gesundheitsministers benannte, ankommen kann.
Der 36-jährige Rösler, den ein Ehepaar im Alter von neun Monaten adoptierte und nach Deutschland holte, wuchs in Niedersachsen auf. Nach dem Abitur trat der junge Rösler in die FDP ein, verpflichtete sich bei der Bundeswehr, wurde sodann für ein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover freigestellt. Anschließend absolvierte er eine Facharztausbildung am Bundeswehrkrankenhaus Hannover. Nach 16 Jahren verließ Rösler die Bundeswehr als Stabsarzt. Er ist außerdem Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Der FDP-Politiker ist verheiratet und Vater von fast einjährigen Zwillingstöchtern, Grietje und Gesche.
Vor neun Jahren wurde Rösler in Niedersachsen zum Generalsekretär ernannt, 2003 zum Fraktions- und drei Jahre später zum Landeschef. Vor einem halben Jahr wurde Rösler zum Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsidenten berufen. Seit 2005 gehört er auch dem Präsidium der Bundespartei an. Nun erreichte der 36-Jährige die nächste Stufe seiner rasanten Politikerkarriere. Am kommenden Mittwoch soll Philipp Rösler vereidigt werden.