Oskar Lafontaine, Parteichef und Bundestagsabgeordneter der Partei ‚Die Linke‘, wird weiter für seine Entscheidung kritisiert, nach der Bundestagswahl von seinem Amt als Fraktionsvorsitzender zurückgetreten zu sein. Das Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘ vermutet dahinter private Gründe. Lafontaine selbst hat angegeben, in den nächsten Tagen in einer persönlichen Erklärung bekannt zu geben, ob und wie lange er sein Bundestagsmandat oder das Landtagsmandat behalten wolle.
Oskar Lafontaine hatte Anfang Oktober auf eine erneute Bewerbung für den Fraktionsvorsitz im Bundestag verzichtet. 'Der Spiegel' will nun in Erfahrung gebracht haben, dass diese Entscheidung schon seit Anfang des Jahres feststand. Dies gesteht nun auch Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der Linken, ein: "Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird."
Wenn das zutrifft, besteht ein öffentliches Interesse daran, den Fall aufzuklären, denn dann kann man von einem Fall von Wählertäuschung sprechen. Lafontaine ist als Spitzenkandidat der Linken in den Wahlkampf gezogen, und die Wähler hatten keinen Grund dafür, an der Ernsthaftigkeit seiner Kandidatur zu zweifeln. Im Westen ist Lafontaine das Zugpferd der Linken schlechthin - wenn von vorn herein klar gewesen wäre, dass Lafontaine nicht mehr Fraktionsführer im Bundestag sein würde, wäre die Wahl möglicherweise anders ausgegangen.
Den Grund für den politischen Rückzug vermutet 'Der Spiegel' im Privaten: seine Frau Christa Müller sehe ihren Mann lieber im heimischen Wallerfangen als in Berlin in der Nähe von Sahra Wagenknecht. Angeblich soll es Gerüchte geben, denen zufolge Lafontaine und die ehemalige Abgeordnete des Europaparlaments mehr als nur politische Inhalte verbinden, und Müller daher ein Interesse habe, Lafontaine von Berlin fern zu halten. Angeblich habe Müller ihren Mann vor die Wahl gestellt, entweder die Bundestagskandidatur der berühmten Kommunistin zu verhindern - oder selbst zu verzichten.
Oskar Lafontaine selbst wies gestern den Vorwurf der Wählertäuschung gegenüber der 'Saarbrücker Zeitung' als "absurd" zurück. Er betonte, dass er "nach wie vor Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter" sei, und sich nach dem großen Vertrauensbeweis bei der Landtagswahl aber auch den Wählerinnen und Wählern im Saarland verpflichtet fühle. Zu den Gerüchten um einen Liaison mit Wagenknecht erklärte er: "Unhaltbare Gerüchte über unser Privatleben kennen meine Frau und ich seit vielen Jahren. Das ist nichts Neues."
Auch Dietmar Bartsch, Geschäftsführer der Linken, verwehrt sich gegen die Vermutungen über eine mögliche Affäre zwischen Wagenknecht und Lafontaine und empörte sich, dass 'Der Spiegel' mit der "Spekulation" in seinem Bericht „eine Linie unterschritten habe". Der Vorwurf der Wählertäuschung sei "absurd", denn es sei "doch klar, dass Oskar nicht drei Positionen wahrnehmen wird". Lafontaine hatte neben dem Posten des Fraktionschefs auch den des Parteivorsitzenden inne und hat darüber hinaus ein Landtagsmandat.
Wagenknecht sieht hinter all dem eine Kampagne und dementiert die Gerüchte bezüglich einer Beziehung zu ihrem Parteichef: diese Mutmaßungen werden "von politischen Gegnern gestreut" mit dem Ziel "Lafontaine zu schaden". 'Der Spiegel' sieht hier in erster Linie innenparteiliche Gegner am Werk, die die politische Nähe zwischen Wagenknecht und Lafontaine störte. Wagenknecht und Lafontaine teilen die Überzeugung von den Vorzügen des Antikapitalismus und von einem anzustrebenden Systemwechsel - Ansichten, denen die Realos in der Linken eher skeptisch gegenüber stehen. (jka)