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08.08.2007'Schwarzbuch Scientology’

Hamburger Senator will Sekte verbieten

Scientology wird in Deutschland an allen Fronten bekämpft. Derzeit legt die bekannte Scientology-Gegnerin Ursula Caberta in einem Schwarzbuch die dubiosen Machenschaften der Organisation dar und fordert ein Verbot der Sekte. Hamburgs...

Scientology wird in Deutschland an allen Fronten bekämpft. Derzeit legt die bekannte Scientology-Gegnerin Ursula Caberta in einem Schwarzbuch die dubiosen Machenschaften der Organisation dar und fordert ein Verbot der Sekte. Hamburgs Innensenator Udo Nagel steht fest hinter Cabertas Vorschlägen, SPD und Union sehen ein Verbot hingegen eher skeptisch.

Caberta ist die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology am Hamburger Senat. Seit Jahren engagiert sie sich im Kampf gegen die Sekte. Jetzt hat sie ein Buch veröffentlicht, das die Scientology-Ideologie offen legt. Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die weit reichenden Einflussmöglichkeiten der Organisation, insbesondere auf Wirtschaftsunternehmen. Aber auch auf Mitgliederanwerbung durch verlockende Bildungsangebote weist die 57-Jährige hin.

Das "Schwarzbuch Scientology" geht mit der Sekte hart ins Gericht. Die Gefahr, die von der Organisation ausgehe, sei nicht zu unterschätzen, so Caberta. „Scientology ist eine verfassungsfeindliche, extremistische und menschenverachtende Organisation, die eine totalitäre Gesellschaft aus gefügigen Anhängern fordert“. Die Expertin ruft das Bundesministerium dazu auf, die Sekte zu verbieten – sie habe Material en masse, um die zweifelhaften Machenschaften von Scientology zu beweisen.

Auch Innensenator Udo Nagel setzt sich für ein Verbot der Organisation ein. Bei Scientology handele es sich nicht um eine Religion, sondern um eine „Psycho-Ideologie, die auf die völlige Unterordnung des Einzelnen ziele“. Da es ausreichend Anhaltspunkte dafür gäbe, dass sich die Aktivitäten von Scientology gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik richte, werde sich die Innenministerkonferenz bei ihrem nächsten Treffen erneut mit einem Verbot befassen, versprach der Senator.

Scientology hingegen sieht sich als seriöse Kirchengemeinschaft und wirbt mit „einer Zukunft, in der es Hoffnung und Glück gibt“. Nach der Lehre von Scientology ist der Mensch ein Geistwesen, das von Unreinheiten befreit werden muss. Was die Sekte als „Therapieangebot“ zur Reinigung empfiehlt, bezeichnen Aussteiger als „Gehirnwäsche“. Sogenannte „Ethik-Offiziere“ sollen darauf achten, dass die Mitglieder auf dem „rechten Weg“ bleiben – vielmehr sorgen sie jedoch dafür, dass Aussteiger den Fängen der Sekte oft nicht ohne Hilfe von außerhalb entkommen können.  

Die Arbeitsgruppe Scientology bei der Hamburger Innenbehörde hat sich zum Ziel gesetzt, eben diesen hilfsbedürftigen Menschen den Ausstieg zu erleichtern. Es ist die bundesweit einzige Institution ihrer Art. Ihre umfangreiche Aufklärungsarbeit leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass Scientology in Deutschland nur schwer Wurzeln schlagen kann.  

Zuletzt war die Arbeitsgruppe im Fall eines 14-jährigen Mädchens aktiv geworden. Die Stieftochter der Berliner Scientology-Direktorin und ihr elf Jahre älterer Bruders hatten Caberta um Unterstützung gebeten, da das Mädchen sich weigerte, ein dänisches Scientology-Internat zu besuchen.  

Das Engagement der Politikerin ist den Scientologen ein Dorn im Auge. Deshalb versuchte die Organisation mit Abmahnungen die Veröffentlichung des 'Schwarzbuches' zu verhindern. Wie es scheint, hatte jedoch der 'getarnte Teufel' - wie Caberta scientology-intern genannt wird - das letzte Wort.   

Während sich alle Parteien dafür aussprechen, dass der Verfassungsschutz die Organisation genau unter die Lupe nehmen soll, sehen die Union und SPD die Forderungen nach einem raschen Verbot von Scientology eher skeptisch.

Ein Verbotsgesuch sei nur dann sinnvoll, wenn die Klage auch eine realistische Aussicht auf Erfolg habe, äußerten sich Vertreter der beiden Parteien. "Ich sehe gegenwärtig keine realistische Chance, ein Verbot der Organisation zu erwirken“, meinte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy. Auch Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach warnte: „Ein Verbotsantrag lässt sich nicht aus der Hüfte stellen. Wenn er gestellt wird, dann muss er Erfolg haben“. Er habe allerdings so seine Zweifel daran, dass das Beweismaterial schon ausreiche, betonte Bosbach.

Auch Andreas Fincke von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sprach sich gegen ein Verbot der Sekte aus, und warnt vor übertriebener Hysterie: "Nur, weil eine obskure Ideologie die Bundesrepublik unterwandern will, heißt das ja noch lange nicht, dass sie das auch schafft". (ld)

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