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Franz Müntefering stoppt Kündigungsschutz-Lockerung

04.09.2008KRACHLEDERNES COMEBACK

Franz Müntefering zieht gegen Huber und Beckstein zu Felde

Am gestrigen Mittwoch hat Franz Müntefering fast fünf Wochen nach dem Tod seiner Frau Ankepetra wieder die politische Bühne ganz offiziell betreten. Im Münchener Hofbräukeller trat der 68-Jährige als Gastredner auf, um seinem bayerischen SPD-Genossen Franz Maget Rückenwind für die Landtagswahl zu geben. Dabei stahl Müntefering dem Spitzenkandidaten locker die Show – und teilte nebenbei einige deftige Ohrfeigen an die bayerische Landesregierung aus.

Eigentlich hätte SPD-Spitzenkandidat Franz Maget der Star des gestrigen Abends sein sollen. Schließlich will der Mittfünfziger bei den Landtagswahlen im Herbst Historisches vollbringen, und die CSU-Mehrheit in Bayern brechen. Doch bei der Veranstaltung im Hofbräukeller spielte Maget nur eine untergeordnete Rolle. Denn alle waren gekommen, um das Comeback von Magets Namensvetter Müntefering mitzuerleben. Die bayerische SPD war sich der Bedeutung des Abends im Voraus bewusst, und setzte den Gastredner Müntefering an die letzte, bedeutendste Stelle der Rednerliste - gleich hinter Maget.

Die Rede des früheren Vizekanzlers zeigt deutlich, was ihn vom bayerischen SPD-Kollegen unterscheidet. Während Maget oft als „zu nett" beschrieben und deswegen entsprechend belächelt wird, teilte Müntefering, kaum auf der Bühne angekommen, gleich einmal kräftig gegen die gegenwärtige Landesregierung in Bayern aus. Ex-Ministerpräsident Strauß sei noch „Klasse A" gewesen, gab „Münte" zu. Sein „blonder Jünger" Edmund Stoiber habe „gut bei ihm gelernt". Und nun gebe es eben Erwin Huber und Günther Beckstein. „Was sind das für Waschlappen! Angst vor der Verantwortung, Angst vor der Regierung. Das ist das, was die beiden auszeichnet." Diese schallende Ohrfeige für die Landesregierung wird in der Staatskanzlei noch deutlich nachgehallt haben.

Erst hätten Beckstein und Huber die Kilometerpauschale gekürzt und den Gesundheitsfonds mitbeschlossen, nun wollten beide nichts mehr davon wissen. „Lauft weg vor denen, die sich immer nach dem Winde drehen und euch nach dem Munde reden!" Bereits nach kurzer Zeit war Münteferings Hemd völlig durchgeschwitzt. Entsprechend hitzig verteidigte der frühere SPD-Bundesvorsitzende auch die Agenda 2010, die nicht nur innerhalb der Partei nach wie vor ein Streitpunkt ist. „Wir haben etwa zwei Millionen Menschen mehr in Beschäftigung als noch 2005. Wer das beiseite schiebt, irrt", mahnte Müntefering und warnte davor, die „große Errungenschaft" aus der Ära Schröder zu verdammen.

Am Ende der knapp 50-minütigen, heftig umjubelten Rede kam auch Franz Maget noch einmal auf die Bühne und ließ sich Arm in Arm mit „Münte" fotografieren. Der SPD-Spitzenkandidat kann die Hilfe der Lichtgestalt gut brauchen. Denn trotz der Unzufriedenheit mit der Politik der Stoiber-Nachfolger Beckstein und Huber dümpelt die bayerische SPD nach wie vor bei 20 Prozentpunkten dahin. Dabei war die Chance nie größer, die CSU-Vormacht zu brechen. Das weiß auch Maget, und hat sich deshalb vielleicht ein paar rhetorische Motive beim Gastredner abgeschaut.

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Müntefering hatte sich im Herbst des vergangenen Jahres aus der aktiven Bundespolitik zurückgezogen, um sich um seine schwer kranke Ehefrau Ankepetra zu kümmern. Am 31. Juli erlag die Gattin der Sauerländers schließlich ihrem Krebsleiden. Nach einer kurzen Trauerphase hatte Müntefering vor einigen Tagen seine Rückkehr in die Politik angekündigt. Der umjubelte Auftritt in München wird nur der erste einer langen Reihe gewesen sein.

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