Wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL und 'Stern' herausgefunden hat, können sich die beiden großen Parteien CDU/CSU und SPD über Stimmenzuwachs freuen. Die Union legte im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte zu und stieß auf die Gunst von 37 Prozent der Befragten, während die SPD um drei zusätzliche Punkte auf 24 Prozent klettert. Grund für die besseren Werte ist wohl das TV-Duell, das am vergangenen Sonntag zwischen den beiden Kanzlerkandidaten stattfand.
Die Koalitionsfrage bleibt allerdings weiter heikel. Da die FDP zwei Punkte abtreten musste, kommt schwarz-gelb wieder nur auf 49 Prozent. Jedoch bekommt eine Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grüne mit 47 Prozent ebenfalls keine absolute Mehrheit.
"Die Linke hat drastisch verloren, offenbar, weil Steinmeier in dem Duell so stark auf das Thema soziale Gerechtigkeit gesetzt hat", erklärte Forsa-Chef Manfred Güllner. Den Stimmengewinn der großen Parteien begründete der Meinungsforscher damit, dass das TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) am vergangenen Sonntag die Aufmerksamkeit der Wähler auf die beiden großen Parteien gelenkt habe.
Könnte man jemanden direkt zum Kanzler wählen, so das Ergebnis der Forsa-Umfrage, würden 56 Prozent ihre Stimme Merkel geben, 24 Prozent erhielt Steinmeier. In dieser Frage konnten wiederum beide Anwärter auf das Kanzleramt Sympathien hinzugewinnen.
Trotz der guten Umfragewerte mangelt es nicht an Kritik am TV-Duell, das immerhin 14,21 Millionen Zuschauer verfolgten. In dem 90-minütigen "Duett", wie es die Moderatoren kurz nach Beginn bezeichneten, verzichteten Merkel und Steinmeier auf scharfe gegenseitige Attacken. Die beiden zeigten sich anfangs einig über die Bewältigung des Opel-Pokers und hinsichtlich ihrer Standpunkte in der Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Die Spitzenkandidaten lobten einträchtig die Arbeit der großen Koalition. Da die Themen von den Moderatoren vorgegeben wurden, konnte nur eine Handvoll Differenzen offengelegt werden, so forderte Steinmeier vehement die Begrenzung der Managergehälter und die Einführung eines Mindestlohns.
Kurios erschien Steinmeiers Warnung vor einer schwarz-gelben Koalition und der FDP im Allgemeinen, denn die SPD wird wohl mit der FDP zusammen arbeiten müssen, wenn sie an die Macht kommen möchte. Negativ war auch, dass einzig Merkel in ihrem Schlusswort das Thema Bildung kurz anschnitt, in dem gesamten Duell allerdings nicht angesprochen wurde.
Wie die Umfragen der beteiligten Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und Sat 1 ergaben, schlug sich Steinmeier insgesamt besser als Merkel. Die ARD-Umfrage sah Merkel glaubwürdiger und kompetenter, Steinmeier jedoch war besser als erwartet und lieferte auch die besseren Argumente.
Nachdem sich die Kanzlerin und ihr Herausforderer eigentlich kein Duell lieferten, hat doch eines zwischen den beiden Politikern und den Moderatoren stattgefunden. Vor allem in der Anfangsphase der Sendung wurde Merkel von einem Moderator unterbrochen und bat wiederholt, ausreden zu dürfen. Auch Steinmeier mahnte nach einer Unterbrechung von ZDF-Moderatorin Maybritt Illner: "Haben Sie doch einfach Interesse an meinem Argument."
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Die Oppositionsparteien äußerten sich nach dem TV-Duell erwartungsgemäß negativ. Solch eine "Kuschelveranstaltung" sei nicht mehr zeitgemäß. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle empörte sich in der 'Bild'-Zeitung: "Das waren Szenen einer Zwangsehe. Scheidung nur durch die Wähler."