Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will nicht nach Berlin. Ambitionen auf das Amt des Bundekanzlers wies Wulff zurück. „Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen.“ Auch ein Ministerposten in einem etwaigen Kabinett Merkel strebe er nicht an, denn „ein guter Landespolitiker ist noch lange kein guter Kanzler.“ Er sei nun mal kein Alphatier, wie etwa Angela Merkel, Roland Koch oder auch Franz Müntefering, so der Ministerpräsident.
Für das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten will sich Wulff jedoch auch 2013 noch einmal zur Verfügung stellen. Bundespolitisch beschränkten sich seine Ambitionen lediglich darauf, als Ministerpräsident und CDU-Vize, das Profil der CDU deutlich zu machen, „aber von Hannover aus". Deshalb sehe er sich darin frei, auch in bundespolitische Debatten einzugreifen.
Als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender will sich Wulff bundespolitisch vor allem in der Wirtschafts- und Energiepolitik stärker engagieren. „Wir dürfen die Kanzlerin nicht alleine lassen, es müssen sich viele bereiterklären, ihr zur Seite zu treten und mitzuhelfen, dass die Union Position bezieht und Präsent ist." Denn „die CDU hatte ihre stärksten Phasen immer dann, wenn sie vermeintlich Unpopuläres durchgesetzt und mehrheitsfähig gemacht hat".
Die Entscheidung im April zugunsten David McAllisters auf den CDU-Landesvorsitz zu verzichten bewertet der Ministerpräsident als „richtige Entscheidung für die Landespolitik. Wir haben jetzt in Niedersachsen einen starken Fraktionschef, der auch Parteivorsitzender ist". Schon damals hatten sich viele gefragt, ob er sich mit dem Verzicht auf den CDU-Landesvorsitz für das Regierungsamt positioniert.
Eine Trennung von Parteivorsitz des Bundes und Regierungsamt sei unter Angela Merkel jedoch nicht sinnvoll. So etwas gelinge nur, wenn man einen „Tandempartner habe, zu dem ein „totales Vertrauensverhältnis" bestehe. Merkel, die innerhalb der eigenen Partei schon des Öfteren dafür kritisiert wurde nicht im Team zu arbeiten, hätte ein solches Vertrauensverhältnis „vielleicht zu ihrer Büroleiterin Beate Baumann, aber die würde die Partei wohl nicht als Vorsitzende tolerieren."
Insider aus Unionskreisen nehmen Wulff seine selbstkritischen Aussagen jedoch nicht ganz ab. Die Aussagen seien „sehr clever". „Nicht ungeschickt, wie er das Thema im Gespräch hält."Auch Kanzlerin Merkel werde wohl nicht annehmen, dass es damit nun beendet sei. Immerhin könne man jetzt noch nicht sagen, was nach seiner Amtszeit als Ministerpräsident passiere.
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Auf jeden Fall sieht sich der CDU-Vize als zweiten Mann hinter Merkel, auch wenn sein Verhältnis zur Kanzlerin als angespannt gilt. Möglicherweise steht Wulff als Ersatzkanzler der Union bereit, falls Merkels Popularitätswerte doch eines Tages sinken sollten.